Paris
Staat, Forscher oder Freundin: Wem die Menschen in der Pandemie vertrauen
Welche Maßnahmen sind in der Pandemie richtig, welche übertrieben? Bei der Frage sind Forscherinnen, Politiker oder Mitmenschen häufig nicht einer Meinung. Wem die Menschen am ehesten vertrauen, zeigt eine neue Studie.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die meisten Menschen während der Corona-Pandemie am ehesten den Aussagen von Forschern vertrauen. Das geht aus einer französischen Studie hervor, die allerdings auch zeigt, dass sich das Vertrauensmaß je nach Zeitpunkt und Land stark unterscheidet.
Das Team um den Ökonomen Yann Algan hat im Zeitraum von März bis Dezember 2020 circa 54.000 Menschen aus zwölf Ländern befragt, unter anderem in Deutschland, Polen, Brasilien, USA, Großbritannien und Frankreich.
Deutschland liegt im Mittelfeld
Die Macher der Studie wollten von den Teilnehmenden wissen, ob sie während der Pandemie eher auf Experten, auf die Regierung oder auf ihre Mitmenschen hörten. Demnach vertrauen im Kampf gegen das Coronavirus die meisten Menschen der Wissenschaft, durchschnittlich 84 Prozent der Befragten.
Vor allem in Neuseeland, Österreich, Kanada und Großbritannien genießen Forscherinnen und Forscher besonders hohes Ansehen. Dagegen schnitten Wissenschaftler in Frankreich, Brasilien und Polen am schlechtesten ab. In Deutschland sind die Werte weder besonders hoch noch auffällig niedrig.
Im Laufe der Pandemie nahm das Vertrauen ab
Interessant ist auch zu sehen, dass in Frankreich das Vertrauenslevel in Bezug auf die Wissenschaft zwischen März und Dezember vergangenen Jahres um 17 Prozentpunkte gesunken ist. In anderen Ländern haben die Macher der Studie das gleiche Phänomen beobachtet, wenn auch nicht ganz so deutlich.
Nicht einmal die Hälfte der Befragten (49 Prozent) vertraut der jeweiligen Regierung, wenn es um Maßnahmen gegen das Coronavirus geht. Auch in dieser Kategorie war das Vertrauensmaß in Neuseeland und Österreich am höchsten. Dort hören offenbar im Durchschnitt 64 Prozent der Menschen auf die Regierung, und etwa 54 Prozent auf ihre Mitmenschen. Auch Schweden schnitt dabei sehr gut ab, das im vergangenen Jahr für den „schwedischen Sonderweg“ und die verhältnismäßig lockeren Corona-Maßnahmen bekannt war.
Auch wenn Deutschland nicht zur Spitzengruppe zählt, hören vergleichsweise viele Menschen auf die Politik. In Polen, Brasilien, Italien und Frankreich hingegen erhielten die Volkvertreter (im Durchschnitt 33 Prozent) und die Mitmenschen (im Durchschnitt 29 Prozent) am wenigsten Zuspruch.