Bremen
Jetzt ist Werder-Trainer Markus Anfang gefordert
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die 2. Liga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach in der Jugendabteilung des FC Hude.
Liebe Leser,
eines gleich zu Anfang: Eine Prognose, wie das Heimspiel des SV Werder an diesem Freitag gegen den 1. FC Heidenheim endet, gebe ich nicht ab. Zuletzt sind die Tipps ja gnadenlos in die Hose gegangen.
SV Werder wird nur mit schön, schön nichts holen
Ich fand die Leistungen enttäuschend, die die Werder-Profis bei den Niederlagen gegen den Hamburger SV und bei Dynamo Dresden geboten haben. Und sie haben mich überrascht. Das Schlimmste war für mich, dass sie in Dresden nicht eine einzige zwingende Chance hatten. Das erinnerte an die Rückrunde der vergangenen Saison. Woran das lag, kann ich mir fast nicht erklären. Es gab keine großen personellen Veränderungen. Auf dem Platz standen Spieler, die schon gezeigt haben, dass sie alles viel, viel besser können. Aber vielleicht sind die Bremer doch noch nicht völlig in der 2. Liga angekommen. Jeder weiß eigentlich, was einen in Dresden erwartet: ein Gastgeber, der vor allem über seinen unglaublich großen Kampfgeist kommt. Den kannst du halt nur besiegen, wenn du bereit bist, mit allem dagegenzuhalten was du hast. Ich habe leider das Gefühl, dass bei den Werder-Spielern noch immer die Idee in den Köpfen herumspukt, dass sie als Erstliga-Absteiger die Partien spielerisch gewinnen könnten. Jetzt ist Trainer Markus Anfang gefordert. Er muss den Profis bis Freitag klarmachen, dass sie in der 2. Liga nur mit schön, schön nichts holen werden.
Dramatische Spiele in der Relegation im Juli 2020
Bremen empfängt am Freitag eine Mannschaft, die genau weiß, was sie machen muss, um in der 2. Liga zu siegen. Der Verein ist, schon mit Trainer Frank Schmidt, zur Saison 2014/15 dorthin aufgestiegen. Nur zweimal hat Schmidt sein Team nicht unter die besten Zehn in den Abschlusstabellen geführt. Er weist eine durchaus gute Bilanz aus vier Pflichtspielen gegen den SV Werder auf. 2012 schmiss der damalige Drittligist die Bremer Erstliga-Truppe mit einem 2:1 aus dem DFB-Pokal. Im Juli 2020 scheiterten die Heidenheimer zwar in der Bundesliga-Relegation an Werder. Das war aus ihrer Sicht allerdings dramatisch und höchst unglücklich: Sie hatten nicht verloren. An die beiden Spiele, das 0:0 im Weserstadion und das 2:2 in Heidenheim, denke ich ungern zurück, weil sie mich viele Nerven gekostet haben. Ich war vorher zu optimistisch. Wahrscheinlich, weil Bremen noch im Oktober zuvor dank eines 4:1-Heimsiegs in die dritte Runde des DFB-Pokals eingezogen war.
Werder-Profis müssen ihr Potenzial abrufen
Die Heidenheimer werden sich die Werder-Partien der laufenden Saison genau angesehen haben. Ich gehe davon aus, dass sie es daher zunächst darauf anlegen, in der Defensive nichts zuzulassen. Ich bin mir aber ebenfalls sicher, dass die Mannschaft nicht nur auf ihre kämpferischen Qualitäten setzen wird, denn dafür kann sie einfach zu gut Fußballspielen. Dennoch ist Werder für mich natürlich nicht der krasse Außenseiter. Das Bremer Team hat das Potenzial, Heidenheim zu bezwingen. Ob es das am Freitag abruft? Ich bin gespannt.