Escheburg
Was steckt hinter den rätselhaften Kuh-Diebstählen?
In Norddeutschland sind wiederholt Kühe von ihren Weiden entwendet worden. Wie bereits bei den Taten zuvor nahmen die Täter trächtige Muttertiere mit. Ist Osteuropa ihr Ziel?
Viehdiebstahl - das Wort weckt Wildwest-Assoziationen. Doch tatsächlich ist der Diebstahl von Kühen und Schafen ein Phänomen, das Landwirte immer wieder trifft. Zuletzt wiederholt in Schleswig-Holstein.
Täter haben den Kuhdiebstahl mit hoher krimineller Energie geplant
Von einer Weide in Escheburg (Kreis Herzogtum-Lauenburg) sind jetzt drei trächtige Kühe und ein Muttertier, das gerade gekalbt hatte, entwendet worden. „Die Täter haben das Weidetor geöffnet und die Tiere auf einem Hänger abtransportiert“, sagte Jacqueline Fischer, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg. „Das Kalb ließen sie zurück, es muss nun von Hand aufgezogen werden.“
„Die Täter sind mit hoher krimineller Energie vorgegangen“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Herzogtum-Lauenburg. „Wir gehen davon aus, dass sie die Weide ausspioniert haben.“ Zudem gebe es Spuren, die darauf hindeuteten, dass ein mobiles Gatter benutzt wurde, um die vier ausgewählten Kühe zunächst einzupferchen.
Nicht der erste Diebstahl
Es ist nicht der erste Viehdiebstahl im Land - und stets hatten es die Täter auf Muttertiere abgesehen. 2009 wurden im Lauenburgischen schon einmal trächtige Kühe gestohlen. Und 2019 verschwanden in Quarnstedt (Kreis Steinburg) vier tragende Kühe - genauso wie jetzt in Escheburg.
Was machen die Diebe mit den Tieren? Koll kann darüber nur rätseln. „In Deutschland sind Rinder besser erfasst als so mancher Bürger.“ Selbst wenn die Ohrmarken getauscht würden, müsste ein normaler Landwirt erklären, woher er diese Tiere plötzlich hat.“ Auch dass ein Schlachter der Täter sein könnte, hält Koll für unwahrscheinlich. „Mit dem Blick auf den Warenwert von rund 1500 Euro pro Tier ist das Risiko erheblich. Da wäre es wohl effizienter, sich im Großhandel eine Rinderhälfte zu bestellen.“
Ist Osteuropa das Ziel der gestohlenen Tiere?
Ist dann Osteuropa das Ziel? Beantworten kann diese Frage niemand. In ostdeutschen Bundesländern wie Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt stehlen organisierte Banden aber nicht nur regelmäßig Landmaschinen, sondern holen auch Vieh, mit dem sich ein Zuchtbetrieb aufbauen lässt, aus Ställen und von Weiden. Mutmaßlich auf Bestellung.
Auch Schafzüchter beklagen Diebstähle
Die Tiere tauchen in aller Regel nie mehr auf. Das gilt auch für Schafe, die in Schleswig-Holstein immer wieder verschwinden. Janine Bruser, Geschäftsführerin des Landesverbands Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter: „Verschwinden Böcke, dürften sie für die Zucht verwendet werden. Gestohlen werden allerdings vorwiegend Lämmer.“ Oft würden gleich 50 oder 60 Tiere von der Weide geholt. „Wir gehen davon aus, dass sie geschlachtet werden“, sagt Bruser. Vermutlich mit getauschten Ohrmarken, die aber nur erhalte, wer einen angemeldeten landwirtschaftlichen Betriebführe. „Es ist auch vorstellbar, dass sich Schäfer gegenseitig bestehlen“, sagt Bruser. „Belege dafür haben wir aber nicht.“
Bundesregierung konnten Frage zu Taten nicht beantworten
In der Kriminalstatistik werden Viehdiebstähle nicht gesondert erfasst. Auf eine Kleine Anfrage der FDP konnte die Bundesregierung nur mit Schulterzucken antworten. Es gebe keine Erkenntnisse zur Zahl der Anzeigen oder zu bestimmten Mustern oder der Größenordnung der Diebstähle.