Geschichte
Arp-Schnitger-Orgel erhält einen neuen Klang
Die Arp-Schnitger-Orgel in der Georgskirche in Weener ist weit über die Grenzen Ostfrieslands bekannt. Wenn die Restaurierung abgeschlossen ist, erwartet die Zuhörer ein völlig neues Klangerlebnis.
Was und warum
Darum geht es: Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel in Weener klang in den letzten Jahren nicht mehr gut. Das lag offenbar am Material der Pfeifen, die 1973 von einer niederländischen Firma eingebaut wurden.
Vor allem interessant für: Historisch Interessierte, Freunde von Orgelmusik und alle, die gerne Konzerte und Gottesdienste in der St. Georgskirche besuchen.
Deshalb berichten wir: Bereits 2018 hat die Kirchengemeinde eine Zusage für Fördergeld vom Bund für die Sanierung der berühmten Arp-Schnitger-Orgel erhalten. Nun wird das Instrument restauriert. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Der Landeskirchenmusikdirektor der evangelisch-reformierten Kirche, Winfried Dahlke, hatte bereits vor einigen Jahren Sanierungsbedarf angemeldet. Bereits 2018 kam dann die Zusage des Bundes, sich zur Hälfte an den Kosten für die Restauration zu beteiligen. Wegen Corona, Konzertterminen und anderer Aufträge hat die Leeraner Orgelbaufirma Ahrend erst jetzt damit begonnen.
Letzte Sanierung war 1973
Irgendwie nackt wirkt die mächtige Orgel in der Kirche. Fast alle großen, von außen für die Kirchenbesucher sichtbaren Prospektpfeifen fehlen. Sie werden zurzeit rekonstruiert. Insgesamt 173 Pfeifen fertigen Hendrik Ahrend und seine Mitarbeiter in der Orgelbauwerkstatt in Loga gerade komplett neu an.
Die letzte Sanierung fand im Jahr 1973 statt. Im Lauf der Jahre sind die Pfeifen abgesackt – gewissermaßen eine Art Materialermüdung. „Mir ist das als Kind natürlich nicht aufgefallen, aber meine Mutter hat immer gesagt, dass die Orgel nach der damaligen Restaurierung nicht mehr so klang wie früher“, erzählt Gerd Freerks, Küster der Georgskirchen-Gemeinde.
Orgelpfeifen sackten ab
Orgelbaumeister Hendrik Ahrend hat auch eine Erklärung dafür. „Dass die Pfeifen abgesackt sind, liegt an der Legierung, die in den 70er Jahren für den Bau der Pfeifen verwendet wurde“, erzählt Ahrend, dessen heute 91-jähriger Vater Jürgen die Orgelbaufirma 1954 in Leer gegründet hat.
„Dass eine niederländische Firma damals den Zuschlag für die Restaurierung der berühmten Orgel in Weener bekommen hat, war für ihn eine unschöne Erfahrung“, sagt der Leeraner. Der Orgel wieder zu ihrem ursprünglichen prächtigen Klang zu verhelfen, ist für den 58-Jährigen daher auch ein bisschen eine Ehrensache. „Wir verwenden für den Bau der Pfeifen eine Legierung, die fast aus reinem Zinn besteht, wie sie auch bei Arp Schnitger nachgewiesen wurde“, erklärt er. Außerdem werden die Wandungen ausgedünnt, was sich auf die Statik und den Klang auswirke.
Instrument soll im November erklingen
Ebenfalls saniert wurden etliche Pfeifen, die von außen nicht sichtbar sind. „Sie sind aus Blei gefertigt“, erzählt Hendrik Ahrend. Viele von ihnen hätten Korrosionsschäden gehabt und mussten ausgebessert werden. Alle Pfeifen müssen schließlich die richtige Tonhöhe haben und auf Länge geschnitten werden. „Wenn man nicht richtig konzentriert arbeitet, kann es passieren, dass man versehentlich eine Pfeife zu kurz schneidet und das Stück zu viel abgeschnittene Stück wieder anlöten muss“, erklärt der Orgelbauer, der das Instrument auch stimmen wird, wenn alle Pfeifen eingebaut sind.
Gerd Freerks und viele Freunde der Orgelmusik sind schon gespannt auf den neuen Klang der Arp-Schnitger-Orgel. Wenn alles nach Plan läuft, soll sie nach den Worten des Küsters am Buß- und Bettag am 17. November bei einem musikalischen Gottesdienst in der Georgskirche zum ersten Mal mit ihren neuen Pfeifen erklingen. Beginn ist um 18.30 Uhr. Es spielt Francien Janse-Balzer. Komplett abgeschlossen ist die Orgelsanierung damit aber noch nicht. Auch die Bemalung im Hintergrund soll noch durch einen Künstler restauriert werden, so Freerks.