Geschichte

Arp-Schnitger-Orgel erhält einen neuen Klang

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 29.09.2021 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Küster Gerd Freerks ist gespannt auf das erste Konzert der Orgel. Foto: Gettkowski
Küster Gerd Freerks ist gespannt auf das erste Konzert der Orgel. Foto: Gettkowski
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Die Arp-Schnitger-Orgel in der Georgskirche in Weener ist weit über die Grenzen Ostfrieslands bekannt. Wenn die Restaurierung abgeschlossen ist, erwartet die Zuhörer ein völlig neues Klangerlebnis.

Was und warum

Darum geht es: Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel in Weener klang in den letzten Jahren nicht mehr gut. Das lag offenbar am Material der Pfeifen, die 1973 von einer niederländischen Firma eingebaut wurden.

Vor allem interessant für: Historisch Interessierte, Freunde von Orgelmusik und alle, die gerne Konzerte und Gottesdienste in der St. Georgskirche besuchen.

Deshalb berichten wir: Bereits 2018 hat die Kirchengemeinde eine Zusage für Fördergeld vom Bund für die Sanierung der berühmten Arp-Schnitger-Orgel erhalten. Nun wird das Instrument restauriert.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Weener - Auf dem letzten Loch pfeift die Arp-Schnitger-Orgel in Weener zwar noch nicht. Für Musikfreunde mit geschultem Ohr war es bei Orgelkonzerten in der St. Georgskirche aber schon seit längerer Zeit nicht zu überhören: Das historische Instrument ist ganz schön in die Jahre gekommen. Das soll sich schon bald ändern. Die 1710 von dem berühmten Orgelbaumeister gefertigte Orgel soll in einem völlig neuen Klang ertönen.

Der Landeskirchenmusikdirektor der evangelisch-reformierten Kirche, Winfried Dahlke, hatte bereits vor einigen Jahren Sanierungsbedarf angemeldet. Bereits 2018 kam dann die Zusage des Bundes, sich zur Hälfte an den Kosten für die Restauration zu beteiligen. Wegen Corona, Konzertterminen und anderer Aufträge hat die Leeraner Orgelbaufirma Ahrend erst jetzt damit begonnen.

Hendrik Ahrend zeigt eine der Pfeifen aus Blei, die im Inneren der Orgel verborgen und nicht für Zuhörer sichtbar sind. Korrodierte Exemplare wurden ausgebessert. Foto: Gettkowski
Hendrik Ahrend zeigt eine der Pfeifen aus Blei, die im Inneren der Orgel verborgen und nicht für Zuhörer sichtbar sind. Korrodierte Exemplare wurden ausgebessert. Foto: Gettkowski

Letzte Sanierung war 1973

Irgendwie nackt wirkt die mächtige Orgel in der Kirche. Fast alle großen, von außen für die Kirchenbesucher sichtbaren Prospektpfeifen fehlen. Sie werden zurzeit rekonstruiert. Insgesamt 173 Pfeifen fertigen Hendrik Ahrend und seine Mitarbeiter in der Orgelbauwerkstatt in Loga gerade komplett neu an.

Hendrik Ahrend hält ein Stück der Pedalklaviatur der Orgel. Auch sie wird in der Werkstatt der Firma Ahrend überarbeitet. Unter anderem werden die Messingfeldern erneuert. Foto: Gettkowski
Hendrik Ahrend hält ein Stück der Pedalklaviatur der Orgel. Auch sie wird in der Werkstatt der Firma Ahrend überarbeitet. Unter anderem werden die Messingfeldern erneuert. Foto: Gettkowski

Die letzte Sanierung fand im Jahr 1973 statt. Im Lauf der Jahre sind die Pfeifen abgesackt – gewissermaßen eine Art Materialermüdung. „Mir ist das als Kind natürlich nicht aufgefallen, aber meine Mutter hat immer gesagt, dass die Orgel nach der damaligen Restaurierung nicht mehr so klang wie früher“, erzählt Gerd Freerks, Küster der Georgskirchen-Gemeinde.

Orgelpfeifen sackten ab

Orgelbaumeister Hendrik Ahrend hat auch eine Erklärung dafür. „Dass die Pfeifen abgesackt sind, liegt an der Legierung, die in den 70er Jahren für den Bau der Pfeifen verwendet wurde“, erzählt Ahrend, dessen heute 91-jähriger Vater Jürgen die Orgelbaufirma 1954 in Leer gegründet hat.

Die fast reine Zinnlegierung der Pfeifen, wie sie auch Arp Schnitger verwendete, soll der Orgel den opulenten Klang zurückgeben, für den das Instrument einst bekannt war. Foto: Gettkowski
Die fast reine Zinnlegierung der Pfeifen, wie sie auch Arp Schnitger verwendete, soll der Orgel den opulenten Klang zurückgeben, für den das Instrument einst bekannt war. Foto: Gettkowski

„Dass eine niederländische Firma damals den Zuschlag für die Restaurierung der berühmten Orgel in Weener bekommen hat, war für ihn eine unschöne Erfahrung“, sagt der Leeraner. Der Orgel wieder zu ihrem ursprünglichen prächtigen Klang zu verhelfen, ist für den 58-Jährigen daher auch ein bisschen eine Ehrensache. „Wir verwenden für den Bau der Pfeifen eine Legierung, die fast aus reinem Zinn besteht, wie sie auch bei Arp Schnitger nachgewiesen wurde“, erklärt er. Außerdem werden die Wandungen ausgedünnt, was sich auf die Statik und den Klang auswirke.

Die aus Brasilien stammende Pfeifenmacherin Haydi Ronke zeigt eine der fertigen Pfeifen, die in der kommenden Woche wieder in die Orgel eingebaut werden. Foto: Gettkowski
Die aus Brasilien stammende Pfeifenmacherin Haydi Ronke zeigt eine der fertigen Pfeifen, die in der kommenden Woche wieder in die Orgel eingebaut werden. Foto: Gettkowski
Die Herstellung ist aufwendig. Alle paar Monate sind Gießtage bei den Orgelbauern. Zinnblöcke werden bei 270 Grad eingeschmolzen und mit einer Art Schlitten zu Platten ausgehobelt. Die Platten werden über lange Stangen in Form gerollt. In vielen weiteren Schritten werden dann unter anderem die feinen Öffnungen eingearbeitet, durch die später beim Orgelspiel die Luft geblasen wird.
Das Material, dass beim Anfertigen neuer Pfeifen übrigbleibt wird eingeschmolzen und wiederverwendet. Foto: Gettkowski
Das Material, dass beim Anfertigen neuer Pfeifen übrigbleibt wird eingeschmolzen und wiederverwendet. Foto: Gettkowski

Instrument soll im November erklingen

Ebenfalls saniert wurden etliche Pfeifen, die von außen nicht sichtbar sind. „Sie sind aus Blei gefertigt“, erzählt Hendrik Ahrend. Viele von ihnen hätten Korrosionsschäden gehabt und mussten ausgebessert werden. Alle Pfeifen müssen schließlich die richtige Tonhöhe haben und auf Länge geschnitten werden. „Wenn man nicht richtig konzentriert arbeitet, kann es passieren, dass man versehentlich eine Pfeife zu kurz schneidet und das Stück zu viel abgeschnittene Stück wieder anlöten muss“, erklärt der Orgelbauer, der das Instrument auch stimmen wird, wenn alle Pfeifen eingebaut sind.

Die mittleren Pfeifen wurden inzwischen wieder eingebaut. Die großen Prospektpfeifen rechts und links fehlen allerdings noch. Sie werden Anfang kommender Woche in das Instrument eingesetzt. Foto: Gettkowski
Die mittleren Pfeifen wurden inzwischen wieder eingebaut. Die großen Prospektpfeifen rechts und links fehlen allerdings noch. Sie werden Anfang kommender Woche in das Instrument eingesetzt. Foto: Gettkowski

Gerd Freerks und viele Freunde der Orgelmusik sind schon gespannt auf den neuen Klang der Arp-Schnitger-Orgel. Wenn alles nach Plan läuft, soll sie nach den Worten des Küsters am Buß- und Bettag am 17. November bei einem musikalischen Gottesdienst in der Georgskirche zum ersten Mal mit ihren neuen Pfeifen erklingen. Beginn ist um 18.30 Uhr. Es spielt Francien Janse-Balzer. Komplett abgeschlossen ist die Orgelsanierung damit aber noch nicht. Auch die Bemalung im Hintergrund soll noch durch einen Künstler restauriert werden, so Freerks.

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