Osnabrück

Kriegstrommeln: Wie entkommen Serbien und Kosovo dem Dilemma?

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 28.09.2021 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Zusammengezogen an der Grenze zu Serbien: Kräfte der kosovarischen Spezialpolizei. Im Nachbarland fühlt man sich provoziert. Foto: Armend Nimani/AFP
Zusammengezogen an der Grenze zu Serbien: Kräfte der kosovarischen Spezialpolizei. Im Nachbarland fühlt man sich provoziert. Foto: Armend Nimani/AFP
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Mit den sich verschärfenden Spannungen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien rückt ein Konflikt in den Fokus, den viele Europäer als weitgehend gelöst glaubten. Nichts aber könnte falscher sein.

Die Gräben zwischen Kosovo und Serbien sind tief, die Empfindlichkeiten auf beiden Seiten enorm. Das zeigt einmal mehr der aktuelle Streit, der sich an Autokennzeichen entzündet hat. Aus etwas vermeintlich Banalem wird schnell eine leicht entzündliche Lunte an einem Pulverfass.

Letztlich geht es immer um die Frage der Unabhängigkeit des Kosovo, in dem ethnische Serben eine kleine Minderheit sind. Serbien betrachtet Kosovo als abtrünnige Provinz und weigert sich, das Territorium als Staat anzuerkennen. Gleichzeitig bestehen die Kosovaren auf Eigenständigkeit. Gespräche über einen möglichen Gebietstausch oder einen autonomen Status für serbisch bevölkerte Landesteile im Kosovo sind festgefahren. Um voranzukommen müssten beide Seite über ihren Schatten springen.

Massive Finanzhilfen der EU

Solange das nicht geschieht, fungiert die EU mit finanziellen Hilfen, rege wachsenden Handelsbeziehungen und einem Sondergesandten als eine Art Gewährsträger für ein fragiles Sicherheitsgleichgewicht. Lösen kann aber auch die EU den Konflikt nicht. 

Eine EU-Beitrittsperspektive für die Länder des Westbalkan gilt zwar als ein Schlüssel für wirtschaftliche Prosperität und damit einhergehende Stabilität in der Region. Abgesehen davon, dass die EU in ihrer derzeitigen Verfassung eine Erweiterung aber nur schwer verkraften würde, ist die Perspektive für Serben und Kosovaren offensichtlich nicht so attraktiv, als dass sie bereit wären ethnisch-nationale Belange hintan zu stellen und endlich konstruktiv aufeinander zuzugehen. So schnell wird es aus dem Dilemma also keinen Ausweg geben.

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