Osnabrück

James Bond und sein Outfit: Stilgeschichte von Brioni bis Tom Ford

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 28.09.2021 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schlanke Linie und ein Einstecktuch als weißer Blitzer am Revers: Daniel Craig trägt Tom Ford in „Spectre“. Foto: Columbia Pictures/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de Foto: Columbia Pictures/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de
Schlanke Linie und ein Einstecktuch als weißer Blitzer am Revers: Daniel Craig trägt Tom Ford in „Spectre“. Foto: Columbia Pictures/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de Foto: Columbia Pictures/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de
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James Bond steht für klare Linie, auch in der Mode. Ob Brioni oder Tom Ford: 007 sieht gepflegt aus. Zum Abschied riskiert Daniel Craig in „Keine Zeit zu sterben“ jetzt aber den Stilbruch.

Ein Cordanzug? Im Ernst? Im Trailer zu seinem letzten Einsatz in „No Time to Die“, „Keine Zeit zu sterben“ liefert sich Daniel Craig als James Bond im süditalienischen Matera mit Schwerverbrechern eine rasante Verfolgungsjagd. Bond bei der Arbeit, Bond im Aston Marton DB 5, Bond in Begleitung einer schönen Frau, gespielt von Léa Seydoux - soweit alles wie gewohnt. Aber Bond im Cordanzug? So ein sandfarbenes Outfit trägt der Gemeinschaftskundelehrer mit Nickelbrille, aber sicher nicht der Agent seiner Majestät mit der Lizenz zum Töten. Craig bricht ein eisernes Bond-Gesetz, das des toughen und immer korrekten Anzugs. Ein Stilbruch zum Abschied. Hier weiterlesen: Zur Kinopremiere: Was wir über den neuen Bond wissen.

Starke Schulter, schmale Taille

Dabei ist der James Bond von Daniel Craig seit seinem ersten Einsatz in „Casino Royale“ (2006) ein Mann der strikten Linie. Craig trägt Anzüge von Designer Tom Ford, die klare Kante zeigen. Starke Schultern, schmale Taille: Mit diesen Anzügen triumphiert die Slim-Fit-Linie einer metallisch klaren Eleganz. Ein reizvoller Kontrast zu Daniel Craig mit seinem rauen Straßenjungen-Charme. Tom Fords Modelle stehen für Dominanz und Effizienz, passen damit bestens zu Craigs Sachlichkeit und zum Effizienzdenken der neoliberalen Ära. Keine Zeit für Schnörkel: Daniel Craigs Bond stand genau für diese Botschaft, gerade auch mit seinem Outfit. Hier weiterlesen: Macho trifft #MeToo: Ist Bond nur ein Vergewaltiger?

Freude für Massimo Alba

Jetzt freut sich Massimo Alba, der italienische Designer des Cordanzugs, mit dem Bond nun unterwegs ist. Wer die klassisch klare und betont maskuline Bond-Linie liebt, wird kräftig schlucken. Das helle Beige bricht mit den betont gedeckten Farben, mit denen die Bond-Darsteller bislang im Dienst ihrer Majestät rund um den Globus beste, weil vor allem seriöse Figur machten. Knitter und Falten gab es nicht, auch nicht in Verfolgungsjagd und Showdown. Cord dagegen wirft Wellen, beult aus, sieht schnell abgetragen aus. Läutet Bond mit seinem neuen Teil den Abschied vom Anzug ein? Vor allem die Modepuristen unter den Kinogängern dürfen rätseln.

Bella Figura mit Brioni

Bislang standen die Designer Bonds für Dekaden und ihre Trends. Vor Tom Ford prägte Brioni den Look von 007. Pierce Brosnan schlüpfte mit seinem ersten Einsatz in „GoldenEye“ (1995) in feines Brioni-Tuch und machte darin Bella Figura. Kein Wunder. Der schmeichelnde Stoff, der gefällige Schnitt waren dem immer smarten Brosnan wie auf den Leib geschneidert. Ebenso wie Altkanzler Gerhard Schröder, ein anderer prominenter Brioni-Träger, verkörperte Brosnan trotz aller Gefahr in seinen Einsätzen auch eine Zeit des Lebensgenusses. Brioni steht für elegante Lässigkeit und damit für jene feine Note, die zu dem nüchternen Craig nicht passt.

Schick im Safarihemd

Sage mir, was Du trägst, und ich sage Dir, wer Du bist: Das abgewandelte Sprichwort gibt der Reise durch die Welt der Bond-Outfits die Richtung an. Vielleicht war Roger Moore in den Siebzigern, einer verrückten Mode-Dekade, der variabelste Bond. Er trug das Safarihemd in hellem Beige in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) ebenso wie in „Octopussy“ (1983) den Zweireiher von Douglas Hayward in Marineblau. Dabei war Roger Moore immer der ironisch zwinkernde Gentleman und allein schon damit der stilsicherste aller Bonds. Das schließt auch Sean Connery mit ein, der die klassische Bond-Linie prägte. Ob dunkler Anzug mit weißem Hemd und Binder oder weißes Dinnerjacket mit schwarzer Fliege - der erste Bond gab die korrekte Linie dieser Figur vor.

Omega ist Trend

Übersichtlicher gestaltet sich das Bild der Bonds mit dem Blick auf sein wichtigstes Accessoire, die Uhr. Rolex oder Omega? An der Alternative dieser beiden Klassiker unter den Uhrenmarken verläuft die Scheidelinie. In „Dr. No“ geht Sean Connery 1962 mit der Rolex „Submariner“ auf Tauchtour, während in „GoldenEye“ (1995) zum ersten Mal Omega zum Zuge kommt, mit einer „Seamaster“. Wie lukrativ dieses Product Placemant ist, zeigt unter anderem die doppelseitige Anzeige, die Omega zum Start des neuen Bond „Keine Zeit zu sterben“ in der Zeit vom 30. September 2021 schaltet. „James Bond´s Choice“ lautet die Headline zu dem Foto, das einen todschicken Bond mit der Omega Seamaster Diver 300M am Handgelenk zeigt. So übersichtlich die beiden Marken sich in die Bond-Geschichte teilen, so vielfältig sind die Gadgets, mit denen die Uhren ausgestattet sind. Ob der Geigerzähler als erste Zusatzfunktion in „Feuerball“ (1965), später Kreissäge, Sprengsatz und Minitelefon - Bonds Uhren sind eine Welt für sich. Die Omega Seamaster muss jetzt zum Cordanzug passen. Schwieriger Job.

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