Politik
Großes Rätselraten bei der CDU Westoverledingen
Gitta Connemann (CDU) gewinnt zwar das Direktmandat, in der Gemeinde Westoverledingen setzt sich aber Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) klar durch. Bei der CDU beginnt die Ursachenforschung.
Westoverledingen - Großes Rätselraten bei den Westoverledinger Christdemokraten: Am Tag nach der Bundestagswahl wundern sich viele CDU-Politiker aus der Gemeinde darüber, dass Gitta Connemann (CDU) in der Westoverledinger Gemeinde gegen Mitherausforderin Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) verloren hat.
Connemann konnte bei der Wahl am Sonntagabend ihr Bundestagsmandat im Wahlkreis 25 Unterems zwar verteidigen und zieht direkt wieder in den Bundestag ein. Doch in Westoverledingen blieb die Christdemokratin aus Hesel mit 31,23 Prozent deutlich hinter Troff-Schaffarzyk, die 37,72 Prozent holen konnte.
Gegenüber 2017 verliert Connemann 5,60 Prozentpunkte
Connemann hatte am Sonntag im Wahlkreis Unterems 44,40 Prozent geholt. Das waren im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 allerdings 5,60 Prozentpunkte weniger. Herausforderin Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) kam auf 28,46 Prozent. Die Uplengenerin konnte das Ergebnis von Markus Paschke, der 2017 für die Sozialdemokraten angetreten war, sogar ganz leicht ausbauen. Paschke hatte 28 Prozent geholt.
Für Connemann steht fest, dass die Wahlergebnisse analysiert werden müssen. Ihre erste Vermutung: „Der Bundestrend hat stark abgefärbt. Die CDU hat ja in Westoverledingen 12 Prozent eingebüßt. Und das schlägt sich dann natürlich auch auf die Direktkandidatin nieder. Der deutliche Unterschied zwischen Erststimmen- und Zweitstimmenergebnis zeigt aber auch, dass zwischen Person und Partei unterschieden wurde. Und gute Arbeit überzeugen kann“, sagte Connemann auf Anfrage. Die Bundestagsabgeordnete machte aber auch deutlich, dass 77.143 Bürgerinnen und Bürger ihr das Vertrauen geschenkt hätten. „Dafür bin ich dankbar. In fast allen Kommunen im Wahlkreis Unterems konnte ich die Mehrheit der Stimmen gewinnen. Nur in drei von 21 Gemeinden ist dies nicht gelungen. Dazu gehört Westoverledingen. Hier hat die SPD schon in der Kommunalwahl große Erfolge erzielt. Dieser Trend hat sich bei der Bundestagswahl fortgesetzt“, führte Connemann aus.
Viel für die Arbeitsplätze der Meyer-Werft getan
Mit einem klaren „Nein“ beantwortet Connemann die Frage, ob möglicherweise auch viele Meyer-Werft-Mitarbeiter, die in Westoverledingen wohnen, mit dem Engagement der CDU nicht zufrieden gewesen sein könnten und deshalb die SPD gewählt hätten. „Dann hätten die Ergebnisse in Papenburg und Weener anders aussehen müssen. Dort leben ebenfalls viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werft. In beiden Kommunen liege ich aber zum Teil deutlich vorne. Denn die meisten wissen, wieviel wir gerade in den letzten Jahren auch für die Werft und damit für ihre Arbeitsplätze gemacht haben – von der Finanzierung eines Neubaus der Friesenbrücke mit breiterer Durchfahrt bis hin zu den Hilfen in der Pandemie“, so Connemann.
„Ich kann das Ergebnis überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte das Ihrhover CDU-Politik-Urgestein Hedwig Pruin. Ihrer Ansicht nach hätten die Mitglieder der Westoverledinger CDU alles getan, damit Connemann und auch die eigene Partei bei der Wahl gut abschneiden. „Gitta Connemann war sehr häufig in unserer Gemeinde unterwegs, sie hat sich sehr intensiv um die Belange der Bürger, Gruppen und Vereine in unserer Kommune gekümmert“, führte Pruin aus.
Unsicherheit bei Arbeitgebern
Zu der Frage, ob zum Beispiel Mitarbeiter der in der Krise steckenden Papenburger Meyer-Werft, die in Westoverledingen wohnen, ihr Kreuz vielleicht nicht bei Connemann, sondern bei Troff-Schaffarzyk gemacht hätten, könne sie keine gesicherten Angaben machen, so Pruin.
„In den Gesprächen an unseren Wahlständen war allerdings eine gewisse Unsicherheit bei den Arbeitnehmern zu spüren“, sagte Pruin. Sie ist sehr gespannt auf die Verhandlungen in Berlin, an denen auch Connemann teilnehmen werde. „Gerade beim Thema Wirtschaft gibt es zwischen CDU und FDP große Gemeinsamkeiten. Möglicherweise wird Laschet doch noch Kanzler“, so die Ihrhoverin.
Bei der Kommunalwahl zwei Ratsmandate eingebüßt
Dennis Hillmer, aktuell kommissarischer Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Gemeinde Westoverledingen, machte deutlich, dass das schlechte Abscheiden nicht an der Arbeit von Connemann in Berlin und hier vor Ort liegen kann. „Gitta Connemann war immer in Westoverledingen präsent. „Bei dem Gesamtergebnis hat die Bundespolitik aus meiner Sicht eine Rolle gespielt“, betonte Hillmer.
In den vielen Gesprächen, die er geführt habe, habe er immer wieder mitbekommen, dass viele Bürger und auch Parteimitglieder mit der Personalentscheidung der CDU bei der Kanzlerfrage nicht zufrieden gewesen seien. Er könne nur vermuten, dass auch viele Mitarbeiter der Meyer-Werft die SPD gewählt hätten. „Die Leute von der Meyer-Werft sind in der Regel gewerkschaftlich orientiert und wählen deshalb vermutlich die SPD. Ich kann mir vorstellen, dass die Mitarbeiter die Stärke bei der Arbeitnehmerpartei sehen“, führte Hillmer aus. Der kommissarische Fraktionsvorsitzende machte deutlich, dass er mit den Ergebnissen der Bundestagswahl von Sonntag und auch der Kommunalwahl vom 12. September nicht zufrieden sei. Bei der Kommunalwahl büßten die Christdemokraten unter anderem zwei Sitze im Gemeinderat Westoverledingen ein.
Mit den Bürgern ins Gespräch kommen
Auch Silke Kuhlemann, Westoverledinger CDU-Verbandsvorsitzende, kann sich das schlechte Abschneiden von Connemann und der CDU bei den Zweitstimmen nicht erklären. „Natürlich hat die Bundespolitik auch Auswirkungen hier vor Ort gehabt. Es war in den vielen Gesprächen, die ich geführt habe, eine Unzufriedenheit zu spüren. Wir werden jetzt die Ergebnisse analysieren und unsere Schlüsse daraus ziehen. Aber schon jetzt steht fest, dass wir noch mehr mit den Bürgern ins Gespräch kommen müssen“, sagte Silke Kuhlemann.