Arbeitswelt
Ein Hund im Büro? Darauf muss man achten
Im Corona-Lockdown haben sich viele Menschen einen Hund angeschafft. Jetzt, da viele Arbeitnehmer ins Büro zurückkehren, wünschen sich viele, dass ihr Tier dabei ist. Darauf muss man achten.
Ostfriesland - Schwanzwedelnd läuft Dackel Henry zur Bürotür. Feierabend. Offenbar auch für den Vierbeiner ein schönes Gefühl. Den Nachmittag hatte er schlafend in der Transportbox unter dem Schreibtisch verbracht. In der Corona-Zeit hatte sich Henry daran gewöhnt, dass sein Frauchen zu Hause arbeitet. Jetzt fällt ihm der Abschied oft schwer und der Tag in der Redaktion, den er ausnahmsweise erlebeben darf, genießt er.
Was und warum
Darum geht es: Im Lockdown haben sich viele Menschen einen Hund angeschafft. Der könnte nun auch mit ins Büro kommen.
Vor allem interessant für: Hundebesitzer und Arbeitgeber
Deshalb berichten wir: Hunde sind für viele Menschen treue Begleiter. Viele Besitzer wünschen sich, auch den Arbeitsalltag mit ihrem Tier teilen zu können. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Laut Schätzungen des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) wurden im vergangenen Jahr rund 20 Prozent mehr Hunde verkauft als in den Vorjahren. Nach Angaben des Bundesverbandes Bürohund gibt es seit Ende des Lockdowns immer häufiger Anfragen von Firmen, weil Arbeitnehmer nun den Wunsch hegen, ihr Tier mit ins Büro zu nehmen.
Das sagt der Bundesverband
Laut Bürohunde-Verband wirken sich die Tiere im Büro positiv auf die Mitarbeitenden aus. „Dabei verbessern die Hunde, unter anderem durch die Anregung der Oxytocinproduktion im menschlichen Organismus, die psychische und körperliche Gesundheit. Hunde liefern einen Schutz vor der Volkskrankheit Burnout.“ Hunde im Büro verbesserten zudem das Engagement, die Motivation, die Loyalität, die Kreativität und das allgemeine Wohlbefinden der Mitarbeiter. Außerdem sei die Zulassung eines Hundes im ein Bonus beim Kampf um talentierte Mitarbeiter.
Das sagen die Arbeitgeber
Beim Arbeitgeberverband Ostfriesland ist man weitaus skeptischer, was die vierbeinigen Kollegen betrifft. „Es ist immer noch Ort, an dem gearbeitet wird“, sagt Johann Doden, Geschäftsführer des Verbandes. „Die Firma ist kein Zoo“, macht er deutlich. So niedlich die Vierbeiner seien, es gebe vieles bei ihrer Zulassung zu beachten. „Es gibt Kollegen, die Angst haben. Das muss berücksichtigt werden“, sagt er. Auch könne es Probleme geben, wenn mehrere Hunde anwesend seien, die sich nicht verstünden. Hunde seien auch nur der Anfang. Als nächstes könnte ein Arbeitnehmer verlangen, seine Schlange mitzubringen, überspitzt Doden.
Ganz klar ist: Der Arbeitgeber muss zustimmen, wenn der Arbeitnehmer ein Tier mit zur Arbeit bringen möchte. „Ohne die Einwilligung des Arbeitgebers geht es nicht“, sagt Doden. Danach müsse klar definiert sein, wie der Alltag mit dem Hund aussehen könnte. Bisher habe der Arbeitgeberverband in Ostfriesland sich mit dem Thema aber auch nicht weiter auseinandersetzen müssen.
Das sagt die Hundetrainerin
Arbeitgeber und Kollegen müssen also mitspielen, wenn der Hund mit ins Büro kommen darf. Aber auch der Vierbeiner muss mitspielen. „Der Hund muss sozial kompatibel sein“, sagt Bärbel Hommel. Sie ist Hundetrainerin aus Großefehn und bildet Menschen und ihre Hunde zu Besuchshundeteams, beispielsweise in Pflegeheimen, aus. Wenn der Vierbeiner seinen Menschen verteidigt und den Kollegen in die Hacken beiße, sei ein harmonisches Büroleben nicht möglich. Außerdem sei ein guter Gehorsam unerlässlich. Damit alles klappt, hat sie einen Tipp: „Der Hund muss im Büro zur Ruhe kommen können“, sagt sie. Erleichtern könne man es ihm, wenn man einen Rückzugsort, wo keine Menschen vorbeigehen, ermöglicht. Außerdem brauche er natürlich Wasser, etwas zum Kauen und ab und zu den Gang vor die Tür. Ansonsten brauche ein Vierbeiner nicht viel. „Hunde schlafen 18 bis 21 Stunden am Tag“, sagt Hommel.
Aus ihrer Sicht gebe es keine Rasse, die besonders oder gar nicht geeignet sei. Allerdings müsse man bei Hunden mit längeren Haaren schon schauen, wie es sich im Büro verhält. „Die vielen Hundehaare können unangenehm sein“, sagt Hommel. Ältere Hunde seien natürlich weniger agil als junge Hunde. „Da müssen die Kollegen schon mal ein Bellen aushalten“, sagt sie. Gegenseitiges Verständnis sei wichtig, beim Thema Bürohund. Rücksichtnahme sei aber ebenso wichtig.