Radsport

Ostfriesin erklimmt die Berge der Bundesliga

| | 24.09.2021 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Bundesligafinale in Bad Dürrheim (Schwarzwald) machte Ann Gela Ukena (vorne) mächtig Tempo. Foto: Sportograf
Beim Bundesligafinale in Bad Dürrheim (Schwarzwald) machte Ann Gela Ukena (vorne) mächtig Tempo. Foto: Sportograf
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Die Leeranerin Ann Gela Ukena startete in dieser Saison in der Radsportbundesliga – mit erstaunlichen Resultaten. Zuvor hatte sie es in zwei anderen Sportarten schon bis in die Bundesliga geschafft.

Leer - Die Bundesliga ist zweifellos das Nonplusultra für Spitzensportler. Eine Ostfriesin hat das Kunststück vollbracht, schon in der dritten Disziplin im Kreis der Elite-Sportler zu starten. Ann Gela Ukena aus Leer hängte zuletzt als Neuling in der Radsport-Bundesliga den Großteil der etablierten Fahrerinnen ab. „Ich bin selbst erstaunt, dass es auf Anhieb so gut lief“, sagte die Athletin vom RSV Leer nach den Plätzen 21 und 25 vor einer Woche beim bergigen Bundesligafinale in Bad Dürrheim (Schwarzwald).

Die Leeranerin erklomm auch schon den Tour-de-France-Berg Col D’Iseran.
Die Leeranerin erklomm auch schon den Tour-de-France-Berg Col D’Iseran.
Nach Einsätzen in der Ruderbundesliga für Hansa Bremen (2011 bis 2013) und in der 2. Triathlon-Bundesliga für den Kölner Klub KTT01 (seit 2015) machte sie damit ihr Bundesliga- „Triple“ perfekt.

Triathlon-Premiere in den USA

Die 29-Jährige – sie spielte auch Volleyball und Basketball – liebt eben die Veränderung. Beim Lebensmittelpunkt probierte sie ebenfalls eine Menge aus. Nach Jahren in Bremen, North Carolina (USA), Köln und Berlin kehrte sie zurück nach Leer und arbeitet nun im Marketing der Ledawerke. „In der Ferne habe ich gemerkt, wie schön es in der Heimat ist.“

Ann Gela Ukena glänzte im August als Fünfte beim Triathlon in Davos.
Ann Gela Ukena glänzte im August als Fünfte beim Triathlon in Davos.
Bei den letzten Umzügen war schon immer ihr geliebtes Rennrad der Marke Felt mit dabei. Das besitzt sie seit ihrer US-Zeit 2013. „Da haben mich Unikollegen einfach mal zu einem Triathlon angemeldet.“

Erstes Rennen im Bikini

Für den Wettkampf musste sich Ann Gela Ukena erstmal ein Rennrad zulegen. „Ansonsten bin ich total blauäugig ins Rennen gegangen.“ Inmitten der Neopren-Starter stand die Ostfriesin vor dem Schwimmen alleine im Bikini da. Und auf dem Rad und beim Laufen kam ihr ein scheinbarer „Kilometer“ ewig lang vor. „Ich hatte nicht bedacht, dass es sich bei den Markierungen ja um Meilen handelte.“

Trotz derartiger Widrigkeiten machte die Premiere Lust auf mehr. Schon 2014 probierte sich die Ostfriesin in Miami bei einem Triathlon 70.3 (1,9 Kilometer – 90 – 21,1). „Am nächsten Tag hatte ich den Muskelkater meines Lebens.“

Schwere Unfälle beinm ersten Rennen

Außerdem war die einstige Athletin vom Ruderverein Leer mit einem neuen sportlichen Virus infiziert. So setzte sie nicht mehr ins Ruderboot, sondern aufs Rennrad. Dazu joggte Ann Gela Ukena, schwamm emsig ihre Bahnen und startete bald in Köln in der 2. Bundesliga. „Das Radfahren war dabei schon immer meine stärkste Disziplin.“

Ann Gela Ukena liebt den Radsport und die Berge. Foto: Wasserberg
Ann Gela Ukena liebt den Radsport und die Berge. Foto: Wasserberg
Nach der Rückkehr in die Heimat trainierte sie diese Stärke beim Radsportverein Leer und wagte sich im Frühjahr an ihre nächste Bundesliga heran. „Im Februar habe ich die Lizenz beantragt.“ Dabei hegte sie durchaus Bedenken. „Ich habe Respekt vor den Unfällen im Radsport.“ Diese Sorgen bestätigten sich beim ersten Bundesliga-Rennen im bayrischen Karbach (bei Würzburg). 30 der mehr als 100 Starterinnen waren in heftige Stürze verwickelt. „Vereinzelt landeten sie im Graben“, erzählt Ann Gela Ukena. „Sogar ein Helikopter musste angefordert werden.“

Die Bergfrau aus Ostfriesland

Deshalb wurde das Feld nach drei von vier Runden angehalten. Neben den 30 gestürzten wurden 30 weitere Frauen eliminiert, die zu großen Rückstand aufwiesen. Die Ostfriesin blieb trotz rasanter Fahrt sturzfrei und kam mit den 42 schnellsten Athletinnen ins Ziel. Nebenbei entdeckte die Frau aus dem Flachland eine neue Spezialität: „Ich komme sehr gut die Berge hinauf.“ Obwohl sie mit 1,76 Metern für Steigungen eigentlich zu groß ist, bestätigte sie dieses Talent mit Rang drei bei den niedersächsischen Bergmeisterschaften.

Auch beim höchstgelegenen Alpen-Triathlon in Davos staunte die Konkurrenz im August über die „Bergfrau“ aus Ostfriesland. Ann Gela Ukena belegte über die Mitteldistanz (1,9 Kilometer – 54 – 21) in 4:53 Stunden Platz fünf. „Und auf dem Rad war ich sogar die Schnellste.“

So kamen die starken Leistungen beim Finale der Radsport-Bundesliga im Schwarzwald nicht überraschend. Die Leeranerin verzichtete beim „Riderman“ aufs Zeitfahren am Freitag. Am Sonnabend erklomm sie bei den 1300 Höhenmetern der 82 Kilometer-Strecke die Berge in gewohnter Manier und erkämpfte sich Platz 21. Am Sonntag folgte ein Rennen über 71 Kilometer (700 Höhenmeter), bei dem es rasant mit 60 oder 70 Sachen die Berge hinab ging. Die Newcomerin belegte Rang 25 – nur eine Minute hinter der Siegerin – und war nicht nur stolz auf tolle Resultate: „Ich bin dankbar, dass ich sturzfrei durch die gesamte Saison gekommen bin.“ Eine Profi-Karriere kommt für die Spätstarterin auf dem Rennrad nicht mehr in Frage. Die Frau aus den drei Bundesligen möchte sich noch nicht einmal auf eine Hauptdisziplin für 2022 festlegen. „Ich bleibe ambitionierte Sportlerin und schaue mal, wo der Weg mich hinführt.“

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