Tradition
Ostfriesland: Chancen und Probleme einer Minderheit
Ostfriesland ist Teil einer nationalen Minderheit in Deutschland – ganz offiziell. Das soll helfen, Sprache und Brauchtum zu erhalten. Die Verantwortlichen kämpfen trotzdem mit großen Schwierigkeiten.
Ostfriesland - Dass Ostfriesen in Deutschland einen gewissen Sonderstatus genießen, würden wohl viele unterschreiben. Allerdings hätten außerhalb von Ostfrieslands dabei vor allem allerlei – angedichtete oder tatsächliche – Skurrilitäten im Sinn. Ausdruck dieser Situation sind auch die vor einigen Jahren noch sehr beliebten Ostfriesen-Witze. Dass Ostfriesen aber auch ganz offiziell zu einer nationalen Minderheit in Deutschland gehören, wissen auch nördlich von Ostrhauderfehn nur wenige.
Was und warum
Darum geht es: Das Plattdeutsche spielt auch für junge Leute in Ostfriesland noch eine große Rolle. Schlechter sieht es für ostfriesische Bräuche aus.
Vor allem interessant für: Traditionsbewusste
Deshalb berichten wir: Ostfriesland ist Teil einer nationalen Minderheit in Deutschland. Wir wollten wissen, warum und wie es um das Ostfriesische bestellt ist. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Schutz und finanzielle Förderung
Vier nationale Minderheiten, die genauso wie die von ihnen gesprochenen Regionalsprachen den Schutz und die besondere – auch finanzielle – Förderung von Land und Bund genießen, gibt es laut Homepage des deutschen Innenministeriums in Deutschland: die dänische Minderheit, die deutschen Sinti und Roma, das sorbische Volk und die friesische Volksgruppe. Zur letzteren gehören die Ostfriesen mit ihrem Plattdeutsch.
Das sei nicht immer so gewesen, sagt Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft. Es habe einige Überzeugungsarbeit bedeutet, das Plattdeutsche gleichberechtigt neben die anderen friesischen Sprachen – nord-, west- und saterfriesisch – zu etablieren: „Wir sind ganz froh, dass wir jetzt seit einiger Zeit eine größere Rolle im Kreis der Friesen spielen.“ Die Ostfriesische Landschaft ist die offizielle Interessensvertretung der Ostfriesen – und kämpft um den Erhalt von Kultur, Brauchtum und um das Plattdeutsche.
Rückgang ist gestoppt
Um letzteres sei es in Ostfriesland vergleichsweise gut bestellt, findet Mecklenburg: „Der jahrelange Rückgang ist gestoppt. Plattdeutsch spielt auch bei jungen Leuten wieder eine größere Rolle.“ Mehr als 100 Schulen hätten sich in Niedersachsen als „Plattdeutsche Schule“ registrieren lassen. Es gebe eine Plattdeutsch-Band-Wettbewerb und plattdeutsche Supermärkte. Deshalb sei er guter Hoffnung, dass sich diese Regionalsprache und der Stolz der Ostfriesen auf ihre Sprache noch lange halten werden.
Schwieriger sei es, Kultur und Brauchtum lebendig zu halten, sagt Mecklenburg. Die ostfriesische Teezeremonie, um nur eine der bekanntesten zu nennen, werde auf dem Land teilweise noch praktiziert und werde auch gerne für Touristen vorgeführt. „Aber manche Heimatvereine, die wesentlichen Anteil an der Pflege der Bräuche haben, haben es schwer, junge Leute zum Mitmachen zu animieren.“ Den Grund dafür sieht es in der gesellschaftlichen Entwicklung. „Die Vorlieben ändern sich, die Freizeitangebote sind vielfältiger als früher und grundsätzlich scheuen gerade junge Leute davor zurück, sich verbindlich längerfristig an Vereine zu binden.“
Wesentliche Aufgabe für alle Verantwortlichen sei es, neue Formen zu finden, um Jugendliche fürs Plattdeutsch und das Besondere Ostfrieslands zu begeistern, sagt Mecklenburg. „Es ist ein ganz dickes Brett, junge Leute zu gewinnen, aber wir werden es immer weiter versuchen.“