Bremen
Der SV Werder wird das Nordderby gegen den Hamburger SV gewinnen
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die 2. Liga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach in der Jugendabteilung des FC Hude.
Liebe Leser,
natürlich habe ich mir gewünscht, dass wir in dieser Saison 2021/22 wieder beim einzig wahren Nordderby mitfiebern können. Nun ist es am Samstagabend im Bremer Weserstadion also tatsächlich soweit: Der SV Werder empfängt den Hamburger SV. Doch ich war eigentlich davon ausgegangen, dass es ein Erstligaspiel sein würde, wenn die Mannschaften dieser Traditionsvereine aufeinandertreffen. Da sie aber in Bremen und in Hamburg in der vergangenen Spielzeit ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, erleben wir die Partie nun also zum ersten Mal in der 2. Liga.
Werder-Spieler können sich auf das Wesentliche konzentrieren
Werder hat sich auf dem Weg zum Derby gesteigert. Das 3:0 beim FC Ingolstadt bewies, dass mit den letzten Neuzugängen große Qualität dazugekommen ist. Ein genauso wichtiger Grund für die steigende Formkurve ist für mich aber das Ende der Transferperiode. Damit ist Ruhe in die Werder-Kabine eingekehrt. Jeder weiß jetzt, woran er ist. Keiner muss mehr überlegen, ob der Mitspieler, neben dem er gerade sitzt, morgen vielleicht weg ist. Zudem haben diejenigen, denen noch Angebote vorlagen, die Köpfe wieder frei. Das bedeutet, dass sich alle Werder-Spieler auf das Wesentliche konzentrieren können: ihre sportliche Leistung.
Für Werder-Trainer Markus Anfang ist die Situation nun auch endlich so, wie sie für erfolgreiche Arbeit sein sollte. Er weiß, dass er mit den Spielern, die da sind, längerfristig planen kann. Dazu kommt, dass er, obwohl es recht viel Zeit gekostet hat, gemeinsam mit der Sportlichen Leitung einen Kader aufgebaut hat, der zu der von ihm favorisierten taktischen Ausrichtung passt.
Markus Anfang kann gezielt an Schwächen arbeiten
Ich bin mir sicher, dass sich diese Ruhe positiv auf das Training auswirkt. Anfang kann jetzt endlich gezielt an den Sachen arbeiten, die für ihn Priorität haben. Hat er, zum Beispiel, Schwächen in der Defensivarbeit entdeckt, kann er sie in den Einheiten ausmerzen. Mit Spielern, die am Spieltag auflaufen werden. Darum bin ich optimistisch, dass sich Werder im Verlauf der kommenden Wochen weiter verbessern wird. Einer der größten Anwärter auf den Aufstieg in die 1. Liga ist Bremen für mich trotzdem nicht.
Hamburger SV überzeugt bisher nicht
Doch zurück zum Derby: Der SV Werder ist am Samstag für mich der klare Favorit. Der HSV hat mich bisher nicht überzeugt. Einzige Ausnahme ist der 3:1-Erfolg bei Schalke 04 am ersten Spieltag. Anschließend ist die Mannschaft nicht in eine Form gekommen, wegen der sie bei Werder das große Zittern bekommen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass wir am Samstag nach dem Schlusspfiff wieder Spieler mit der grünen Raute auf den Trikots jubeln sehen werden. So wie nach dem bisher letzten Nordderby am 24. Februar 2018, als Werder dank eines Eigentors von Rick van Dongelen in der 86. Minute mit 1:0 gewann. Das ist schon lange her, deshalb freue ich mich, dass das Derby endlich wieder angepfiffen wird, auch wenn es ein Zweitligaspiel ist.