Medizin

Papenburg: Neue Technik gibt einem Kranken wieder Hoffnung

Jule Rumpker
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Von Jule Rumpker
| 09.09.2021 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dr. Spyridon Koulouris während einer Operation, bei dem das neue 3-D-Mapping zum Einsatz kam. Foto: Marien-Hospital
Dr. Spyridon Koulouris während einer Operation, bei dem das neue 3-D-Mapping zum Einsatz kam. Foto: Marien-Hospital
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Seit Jahren leidet Gustav Lübben unter Herzproblemen. Ein neues System im Marien-Hospital Papenburg soll jetzt seine Symptome lindern.

Papenburg - Seit Jahren hat Gustav Lübben mit Herzproblemen zu kämpfen. Bei der Behandlung setzt das Marien-Hospital Papenburg jetzt auf eine neue Technik: ein 3-D-Mapping des Herzens. „Ich war damals auf dem Weg in die Garage, daran erinnere ich mich noch. Dann habe ich gemerkt, wie mein Herz schwächer schlug und mir schwarz vor Augen wurde“, sagt Gustav Lübben. Was vor mehr als zehn Jahren auf dem Weg in die Garage zum ersten Mal passierte, wiederholte sich immer und immer wieder.

Die Ärzte, die der 65-Jährige aufsuchte, konnten ihm anfangs nicht weiterhelfen. „Es spielte sich immer dasselbe ab. Ich habe keine Luft mehr bekommen, mir wurde schwarz vor Augen, und ich wurde ohnmächtig“, so der Aschendorfer. Er kam zwar von selbst wieder zu sich, es hätte allerdings auch schlechter ausgehen können für den 65-Jährigen.

Kurzatmigkeit und Machtlosigkeit

Und in einigen Situationen wurde es bereits brenzlig für Lübben: unter anderem, als er sich mit dem Auto auf dem Weg zum Arzt befand. „Plötzlich konnte ich nicht mehr richtig sehen und habe es nur noch gerade so in die Praxis geschafft“, erinnert er sich. Wie sich herausstellte, hat Lübben eine chronische Herzkrankheit, die als „Hypertrophische Obstruktive Kardiomyopathie“ bekannt ist. Das ist der Grund für seine Kurzatmigkeit, Machtlosigkeit und Herzrhythmusstörungen. Auch einen Defibrillator hat er bereits eingesetzt bekommen.

Seit Jahren leidet Gustav Lübben unter Herzproblemen. Ein neues System soll seine Symptome lindern. Jule Rumpker
Seit Jahren leidet Gustav Lübben unter Herzproblemen. Ein neues System soll seine Symptome lindern. Jule Rumpker

Doch nichts scheint wirklich zu helfen. Denn im Mai hat der 65-Jährige erneut keine Luft mehr bekommen. „Da war ich gerade hinter unserem Haus und habe gearbeitet“, sagt er. Zunächst habe er sich dabei nichts gedacht, doch er habe immer schlechter Luft bekommen und sei schließlich ins Krankenhaus gefahren.

Neuer Arzt in der Kardiologie

Für die Behandlung der Herzprobleme, mit denen Lübben seit Jahren zu kämpfen hat, setzt das Marien-Hospital in Papenburg seit April dieses Jahres eine neue hochmoderne Technologie ein: das 3-D-Mapping. Mit dem System wird das Herz genauestens analysiert und spezielle Behandlungen, wie eine Verödung von Herzgewebe, werden eingeleitet. So können auch komplexe Rhythmusstörungen behoben werden.

Für das neue System hat sich in erster Linie Dr. Spyridon Koulouris eingesetzt. Er ist Departmentleiter der Elektrophysiologie im Marien-Hospital und arbeitet fast ausschließlich im Bereich der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen. „Ich bin Anfang des Jahres nach Papenburg gekommen, um die Abteilung für Elektrophysiologie an der Klinik für Kardiologie des Marien-Hospitals aufzubauen“, sagt Dr. Koulouris.

Von der neuen Technologie profitiert

Von der neuen Technologie hat jetzt auch Lübben profitiert. Er war der siebte Patient, der mit dem System behandelt wurde. „Eine der Herzrhythmusstörungen, die mit der Herzkrankheit von Herrn Lübben verbunden sind, ist das sogenannte Vorhofflimmern, das tatsächlich die anderen Symptome der Krankheit verschlimmert“, erklärt der Arzt. Aus dem Grund leidet Lübben unter Herzklopfen, Schwindel und Schwäche.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, an der allein in Deutschland rund zwei Millionen Menschen leiden. Unbemerkt und unbehandelt, birgt diese Erkrankung eine lebensbedrohliche Gefahr. Die erfolgversprechendste Behandlung bei Vorhofflimmern ist in den meisten Fällen eine sogenannte Katheterablation. Der Zweck dieser Behandlung besteht darin, die elektrische Verbindung zwischen den Lungenvenen, die der Ausgangspunkt der Herzrhythmusstörung sind, und dem Rest des Herzmuskels zu unterbrechen.

Technik hilft bei Operation

„Das 3-D-Mapping-System führt uns genau zu diesen Bereichen, die verödet werden müssen“, erklärt der Arzt. Millimeter für Millimeter wandert der Katheter an der Herzwand entlang, um in Echtzeit jedes Detail der Anatomie des Herzens als dreidimensionale Animation zu konstruieren. Für den Operateur gleicht das 3-D-Mapping-System einem Navigationssystem: Je präziser der Katheter zum Ort des Ursprungs navigiert werden kann, desto besser gelingt die Behandlung.

„Ich wäre bei der Operation gern wach geblieben und hätte zugeschaut“, sagt Lübben schmunzelnd. Ob die Behandlung mit der neuen Technologie den Gesundheitszustand des 65-Jährigen langfristig verbessert, kann erst die Zeit zeigen. „Bei dem Eingriff erwarten wir eine Besserung, aber keine vollständige Beseitigung der Symptome, da die Haupterkrankung, die ,Hypertrophische Obstruktive Kardiomyopathie‘, noch besteht“, erklärt Dr. Koulouris. Bei Patienten ohne strukturelle Herzerkrankung werde hingegen eine vollständige Beseitigung der Symptome erwartet.