Porträt

Ihrenerin für Hilfsbereitschaft ausgezeichnet

Mareile Rübesam
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Von Mareile Rübesam
| 08.09.2021 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Annegret Krause hat Alben voller Fotos von ihrer Zeit in Afrika. Foto: Rübesam
Annegret Krause hat Alben voller Fotos von ihrer Zeit in Afrika. Foto: Rübesam
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Der 78-jährigen Annegret Krause wird an diesem Mittwoch das Bundesverdienstkreuz in Leer verliehen. Die Ihrenerin hat jahrelang in Afrika und Asien gearbeitet.

Ihren - Wo auch immer man in Annegret Krauses Haus hinblickt: Überall gibt es Gegenstände und Kunstwerke, die sie von ihren Reisen aus Afrika und Asien mitgebracht hat. „Einmal Afrika, immer Afrika“, verdeutlicht die 78-Jährige aus Ihren schmunzelnd ihre tiefe Verbundenheit zum Kontinent. An diesem Mittwoch wird ihr in Leer das Bundesverdienstkreuz verliehen.

„Als ich den Brief öffnete, in dem stand, dass ich die Auszeichnung bekommen soll, hab ich erstmal gar nichts gesagt“, erinnert Krause sich. „Da hätte ich nie mit gerechnet.“ Auch wofür sie es verliehen bekommen soll, wüsste die bescheidene Seniorin gar nicht so recht.

Stets für andere eingesetzt

Ihre langjährige Freundin Harmine Königshoff kann sich hingegen gut denken, wofür Krause geehrt wird: „Immer, wenn jemand Hilfe brauchte, war Annegret mit dabei. Für das, was ihr wichtig war, hat sie sich immer mit ganzem Herzen eingesetzt.“ Krauses stärkste Charakterzüge seien Hilfsbereitschaft, Engagement und Großzügigkeit. Doch egal, ob im Rahmen ihrer Arbeit beim Deutschen Entwicklungsdienst, ehrenamtlich für die Nyeri-Kinderhilfe oder privat für ihre Familie: Annegret Krause ist immer mit vollem Herzen dabei.

Annegret Krause mit ihren Kolleginnen vom Roten Kreuz bei ihrem ersten Kenia-Aufenthalt 1968. Foto: Rübesam/privat
Annegret Krause mit ihren Kolleginnen vom Roten Kreuz bei ihrem ersten Kenia-Aufenthalt 1968. Foto: Rübesam/privat

Schon als Kind habe sie sich stets um ihre drei jüngeren Brüder kümmern müssen. Auch mit der Pflege ihres kranken Vaters und ihres Großvaters war sie als Jugendliche gefordert. Zwischen der Ausbildung zur Krankenschwester in Nordhorn, einem Jahr als Hilfe in einem Kindergarten und einem sogenannten Mädchen-Bildungsjahr in Detmold musste die junge Krause immer zu ihrer Familie zurückkehren, um dort mitzuhelfen.

„Die hatten dort ja nichts“

Mit 25 Jahren ging Krause dann zum ersten Mal nach Kenia. „Ich hatte in einer Zeitschrift von der Deutschen Entwicklungshilfe gelesen“, erzählt sie. „Da habe ich mich beworben und bin dadurch zum Internationalen Roten Kreuz gekommen und mit denen dann nach Afrika.“ Drei Jahre lang war sie in Kenia. Sie habe dort in einem kleinen Haus gewohnt und mit ihren Kollegen und Kolleginnen in den afrikanischen Dörfern geholfen.

„Die hatten ja nichts“, denkt Krause an die Zeit in Afrika zurück. Im Jahr 2007 habe sie mit Freunden und ihrem Ehemann Berthold, der einige Zeit später starb, die „Nyeri Kinderhilfe e.V.“ gegründet, ein Verein mit selbst finanziertem Kinderheim in Kenia. Das Heim gebe den Jungen und Mädchen dort eine Perspektive für die Zukunft. Sie gingen zur Schule und bekämen die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen.

Immer noch aktiv

Mittlerweile ist Krause kein Teil des Vereins mehr, aber sie helfe den Menschen in Kenia in Eigenregie, sagt sie. Sie sammle Geld und Gegenstände von Bekannten und Freunden, viele kämen von sich aus auf sie zu. Manche der Gegenstände schicke sie direkt nach Afrika, so Krause, andere verkaufe sie hier auf Flohmärkten.

Annegret Krause erinnert sich gerne zurück an ihre Zeit in Kenia. Sie hat viele Fotos von ihren Reisen. Dort ist sie oft mit ihren Kollegen und den Menschen der afrikanischen Dörfer zu sehen – beim Arbeiten, beim abendlichen Teetrinken oder mit Kindern auf dem Arm. Ein Foto zeigt sie mit einem Mann bei der Feldarbeit. Krause lacht. „Die Leute haben immer gefragt, ob ich denn auch vernünftig mithelfe. Da habe ich dann immer meine dreckigen Hände hochgehalten.“ Später habe sie auch noch dreieinhalb Jahre auf der Insel Sumatra, die zu Indonesien gehört, für die Friedrich-Ebert-Stiftung gearbeitet. Zurück in Ostfriesland habe sie als Krankenschwester beim Kreiskrankenhaus in Leer gearbeitet.

Langjährige Freundschaften

Als bei ihrem Pflegesohn eine geistige und körperliche Behinderung festgestellt wurde, hat Krause ihre Arbeit im Krankenhaus aufgegeben, um sich dessen Erziehung und Pflege zu widmen. Sie habe immer alles für ihn und ihre anderen beiden Kinder getan.

Mit einigen Menschen aus Afrika pflegt Krause auch heute noch Freundschaften. „Es haben mich schon einige Leute hier in Deutschland besucht“, erzählt sie. Die Besucher seien vor allem Studenten gewesen, aber auch eine Lehrerin habe die Reise hierher auf sich genommen.

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