Verkehr

Bohrinsel-Gäste stellen Anwohner vor Zerreißprobe

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 05.09.2021 11:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Besuchern weist ein Schild den Weg zur Bohrinsel über den Dollartweg. Die Anwohner sind davon nicht begeistert. Foto: Gettkowski
Besuchern weist ein Schild den Weg zur Bohrinsel über den Dollartweg. Die Anwohner sind davon nicht begeistert. Foto: Gettkowski
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Seit vielen Monaten kämpfen Anwohner des stark befahrenen Dollartwegs in Dyksterhusen für eine Verkehrsentlastung. Die erhoffte schnelle Lösung für das Verkehrsproblem wurde bislang nicht gefunden.

Was und warum

Darum geht es: Die Bohrinsel Dyksterhusen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Zufahrtverkehr ist für die Anwohner aber eine Belastung.

Vor allem interessant für: Ausflügler und Touristen, die gerne die Bohrinsel besuchen und Anwohner von Dyksterhusen.

Deshalb berichten wir: Im Juni berichtete diese Zeitung über Beschwerden der Anwohner in Dyksterhusen über die starke Verkehrsbelastung auf dem Dollartweg. Geändert hat sich an der Situation bislang nichts. Dabei sah es anfangs so aus, als könnte eine schnelle Lösung gefunden werden. Wir haben nachgefragt, wo es hakt.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Dyksterhusen - Detlev Hilger ist mit seinem Latein am Ende. „Ich weiß nicht, was wir noch tun können“, sagt er resigniert. Seit Monaten kämpft er gemeinsam mit anderen Anwohnern des Dollartwegs für eine Verkehrsentlastung auf der stark frequentierten Zufahrtstraße zur Bohrinsel Dyksterhusen – bislang immer noch ohne Erfolg

Im Juni hatte der Jemgumer Bürgermeister Hans-Peter Heikens angekündigt, sich um eine Lösung zu bemühen. „Aber getan hat sich bisher überhaupt nichts“, ärgert sich Detlev Hilger. Im Gegenteil. In der Ferienzeit sei die Strecke insbesondere an den Wochenenden stark frequentiert gewesen. Die sommerlichen Temperaturen im Garten zu genießen, sei bei dem Verkehr teilweise unmöglich gewesen. „Allein letztes Wochenende standen auf der Bohrinsel von Freitag bis Sonntag fünf bis sechs Wohnmobile“, erzählt der Anlieger. Eigentlich darf sich ab 22 Uhr niemand mehr auf der Bohrinsel aufhalten. „Aber daran hält sich doch keiner. Es hat sich doch längst herumgesprochen, dass hier sowieso keine Kontrollen stattfinden.“

Alternative Zufahrtstrecke

Hilger hatte in der vergangenen Woche Kontakt zu Ortsvorsteher Gerd Bartinger aufgenommen und ihm seine Unzufriedenheit kundgetan. „Es ist erschreckend, wie lange Zeit Behörden für solche profane Dinge brauchen“, so Bartinger. Er habe mehr Durchsetzungskraft von der Gemeinde und dem Bürgermeister erwartet. Es sei nicht verwunderlich, dass sich Bürger von Politik und Verwaltung im Stich gelassen fühlten. „Das trägt zur Politikverdrossenheit bei.“ Dabei könnte eine Lösung nach Ansicht der Anlieger so einfach sein. „Statt über den Dollartweg könnte der Verkehr zur Bohrinsel einfach über den Wattweg geleitet werden“, schlägt Detlev Hilger vor. Diese Strecke sei an einigen Stellen sogar breiter als der Dollartweg. „Außerdem wird im Wattweg niemand durch den Verkehr gestört, weil dort keiner wohnt.“

Die Bohrinsel in Dyksterhusen ist Anziehungspunkt für Naturliebhaber. Der Blick auf den Dollart ist tatsächlich „heel wat besünners“, ganz etwas besonderes. Foto: Gettkowski
Die Bohrinsel in Dyksterhusen ist Anziehungspunkt für Naturliebhaber. Der Blick auf den Dollart ist tatsächlich „heel wat besünners“, ganz etwas besonderes. Foto: Gettkowski
So einfach scheint diese Idee sich aber nicht umsetzen zu lassen. Der Jemgumer Bürgermeister Hans-Peter Heikens verfolgt nach eigenen Worten nach wie vor das Ziel, „die Situation auf dem Dollartweg zu entlasten“. Allerdings müsse man dafür sorgen, dass nicht an anderer Stelle, beispielsweise auf dem teils sehr engen Wattweg, neue Probleme entstehen. „Wir stehen im Austausch mit dem Landkreis und der Rheider Deichacht“, teilte Heikens auf Nachfrage mit.

Abstimmung läuft noch

Nach Auskunft des Landkreises Leers hatte es bereits Juni einen Ortstermine des Straßenverkehrsamtes und der Gemeinde Jemgum im Dollartweg gegeben. „Der Wunsch der Anwohner ist uns so auch von den Gemeindevertretern vorgetragen worden“, berichtete Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage.

Sie sind nach wie vor mit der Situation unzufrieden: Der Pogumer Ortsvorsteher Gerd Bartinger, der auch für Dyksterhusen zuständig ist, sowie Betroffene Anwohner des Dollartwegs Detlev Hilger und Heidi Bruns. Foto: Gettkowski
Sie sind nach wie vor mit der Situation unzufrieden: Der Pogumer Ortsvorsteher Gerd Bartinger, der auch für Dyksterhusen zuständig ist, sowie Betroffene Anwohner des Dollartwegs Detlev Hilger und Heidi Bruns. Foto: Gettkowski
Es sei aber nicht ohne Weiteres möglich, den Durchgangsverkehr in der Dollartstraße zu verbieten und auf diese Weise die Anlieger zu entlasten. „Weil dauerhafte Verkehrsbeschränkungen und -verbote nur im Rahmen der Widmung angeordnet werden dürfen, muss vorher durch die Gemeinde – gegebenenfalls in Abstimmung mit der Rheider Deichacht – ein sogenanntes straßenrechtliches Teileinziehungsverfahren durchgeführt werden“, so der Landkreissprecher weiter.

Erst nach Rechtskraft dieses Verfahrens dürfe die Verkehrsbehörde dann das Verkehrsverbot anordnen. Das sei der Gemeinde auch während der Ortsbesichtigung im Juni mitgeteilt worden. „So ein Verfahren dauert in der Regel einige Monate, weil Ratsbeschlüsse erforderlich sind und die Absicht der Teileinziehung öffentlich bekannt gemacht werden muss“, so Koenen weiter. Bislang habe der Landkreis in dieser Angelegenheit nichts Neues gehört.

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