Berlin
Tödliche Schönheit im Garten – So gefährlich ist der Fingerhut
Er sieht imposant aus, ist guter Gründünger und ein Liebling von Bienen. Der Fingerhut wird gerne gesät. Doch aufgepasst: Nicht umsonst wurde er zur Giftpflanze des Jahres 2007 gekürt.
Mit seinen imposanten, bunten Blütenstauden ist der Fingerhut ein Blickfang in jedem Garten und deshalb von Gärtnern gerne ausgesät. Doch bereits zwei bis drei Blätter dieser Schönheit können tödlich für den Menschen sein.
Alles ist ein Gift in der richtigen Dose
Früher der Gegenstand englischer und irischer Volkssagen und magischen Ritualen wurde im 18. Jahrhundert der medizinische Nutzen der Pflanze entdeckt. William Withering, englischer Arzt, entdeckte, dass der Fingerhut sich positiv bei einer sogenannten „Herzwassersucht“ auswirkt. Von einer „Herzwassersucht“ spricht man dann, wenn sich Wasser im Körper aufgrund einer Herzschwäche einlagert. Aber auch in der modernen Kardiologie werden die toxischen Digitalisglykoside des Fingerhuts bei Herzrhythmusstörungen verwendet.
Digitalisglykoside: Ein schmaler Grad
Positiv wirkt sich Digitalis jedoch nur bei zu schnell schlagenden Herzen aus. Auf Gesunde wirkt sich der Stoff nicht aus und kann eher sogar Vergiftungen und Nebenwirkungen hervorrufen.
Laut dem botanischen Sondergarten Wandsbek sind bereits zwei bis drei Blütenblätter des Fingerhuts für den Menschen tödlich. Ein Vergiftung kommt trotzdem recht selten vor, da die Blätter einen sehr bitteren Eigengeschmack haben. Alle Teile der Pflanze sind giftig. Wer Haustiere hat, sollte aufpassen oder lieber direkt eine andere Pflanze pflanzen. Schon fünf Gramm getrockneter Blätter können tödlich für einen Hund sein.
Mehr Wissen für den Garten:
Die Menge, die zwischen medizinischer Wirkung und lebensgefährlicher Vergiftung liegt ist sehr klein. Eine Vergiftung ist an Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfällen und einem sinkendem Puls zu erkennen. Bei akuten Symptomen rufen Sie das Giftinformationszentrum Nord unter der 0551 - 19240 an.
Vertikale Struktur im Beet
Es gibt eine Vielzahl an Arten des Fingerhuts. Allen gemein ist, dass sie helle Blüten und einen aufrechten Wuchs haben. Der Fingerhut macht sich deshalb wunderbar vor einem dunklem Hintergrund und flächig wachsenden Pflanzen.
Der Rote Fingerhut blüht zwischen Juni bis Juli und wird bis zu 130 Zentimetern hoch. Bei ihm handelt es sich um eine heimische Wildpflanze.
Der Rostige Fingerhut wächst bis zu 120 Zentimeter hoch und ist relativ trockenheitsverträglich. Das macht ihn auch für sonnige Standorte geeignet.
Der heimische Großblütige Fingerhut blüht von Juni bis August und wird bis zu 100 Zentimeter hoch.
Guter Gründünger
Die Blätter des Fingerhuts besitzen große Mengen an Eisen, Kalium, Kalzium, Kieselerden und Magnesium. Das macht sie perfekt für die Gründüngung von Kartoffeln, Tomaten und Obstgehölzen. Ein im Obstbaumen angesiedelter Fingerhut hilft also beim wachsen und sieht dazu auch noch sehr schön aus.
So mag es der Fingerhut
Beim Fingerhut handelt es sich um eine zweijährige Pflanze, die Kälteanreize zum blühen braucht. Einen Fingerhut sät man deshalb im Juni aus, damit die Pflanze im darauffolgenden Frühjahr aufblühen kann. Pflanzen sollte man den Fingerhut im Halbschatten und in lockerer, feuchter, humusreicher und saurer Erde. Dabei die Samen nur leicht in die Erde drücken, da es sich um Lichtkeimer handelt. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz empfiehlt, den Fingerhut erstmals in Aussaaterde vorzuziehen. Eine zusätzliche Düngung ist nicht notwendig.