Fußball
Auf dieses Offensivtrio baut Kickers-Coach Emmerling
Beim Heeslinger SC startet Fußball-Oberligist Kickers Emden am Sonntag in die neue Spielzeit. Kickers-Trainer Stefan Emmerling erklärt, warum er sein Team stärker als in der letzten Saison einschätzt.
Emden - Am 28. Oktober 2020 bestritt Kickers Emden in der Fußball-Oberliga beim Heeslinger SC sein letztes Meisterschaftsspiel. Und zum Auftakt der neuen Spielzeit reisen die Ostfriesen an die gleiche Stelle. Trainer Stefan Emmerling verrät im Interview, warum er glaubt, dass seine Mannschaft besser besetzt ist als in der letzten Saison.
Frage: Endlich geht es wieder um Meisterschaftspunkte. Wie haben Sie die Vorbereitung unter den besonderen Umständen erlebt?
Emmerling: Generell war die Herausforderung nach acht Monaten Pause sehr schwierig. Für mich war es außergewöhnlich, die Belastungssteuerung für die Spieler auch richtig zu dosieren. Man muss sich dann einfach auf sein Gefühl verlassen. Mit den zwei Turnieren Ostfriesland-Cup und Saris-Cup und den weiteren Testspielen war das schon ein heftiges Programm.
Frage: Im Gegensatz zur letzten Saison scheint Kickers an Qualität gewonnen zu haben, Sie haben bis auf Ayo Adenrian keinen Stammspieler verloren. Wie sehen Sie die Kaderzusammenstellung?
Emmerling: Wir haben versucht, die Abgänge zu kompensieren, den Kader zu verstärken und waren da jetzt auch mal auf dem holländischen Markt aktiv. Das war jetzt nicht bewusst, sondern hat sich auch ein bisschen so ergeben. Angefangen hat es mit der Verpflichtung der Goguadze-Brüder, das hat dann auch bei unseren Nachbarn die Runde gemacht. Dann waren wir noch an Alagie Jabbie interessiert, sein Berater hat uns Darlin van der Werff empfohlen. Bisher haben die Neuzugänge aufgezeigt, dass sie Chancen auf die Startformation haben. Sie haben bei den holländischen Profivereinen eine gute Ausbildung genossen.
Frage: Darlin van der Werff hat in den Testspielen auf sich aufmerksam gemacht, auch regelmäßig getroffen. Was ist er für ein Spieler?
Emmerling: Wir dürfen nicht vergessen, dass Tido Steffens aus privaten Gründen einige Spiele pausieren musste. In der Zeit hat der ein oder andere Spieler die Chance genutzt und starke Leistungen gezeigt. Darlin van der Werff hat in den Partien mit seiner jungen, unbekümmerten Art und auch der Geschwindigkeit und Torgefahr bewiesen, dass er zusammen mit Tido Steffens und Nikky Goguadze viele Gegner vor Probleme stellen kann. Mit einem schmerzfreien George Goguadze plus Bamezon denke ich, dass wir uns in der Offensive verstärkt haben.
Frage: Konnten Sie auch mit einem höheren Budget arbeiten?
Emmerling: Nein, das war uns allen klar. Wir gehen nicht ins finanzielle Risiko und machen keine verrückten Dinge. Dann dauert es vielleicht eine Saison länger, um die angestrebten Ziele zu erreichen.
Frage: Mittelfristig möchte Kickers Emden ans Tor zur Regionalliga klopfen. Auch wenn es in der Corona-Krise schwer war. Wie hat sich der Verein weiterentwickeln können?
Emmerling: Wir haben nicht nur gewartet, bis der Lockdown beendet ist, sondern haben im Hintergrund einiges bewirkt. Das aller Wichtigste ist, die finanzielle Situation einigermaßen unbeschadet zu überstehen, das war die größte Herausforderung und ist mit der Unterstützung des Großteils der Sponsoren auch gelungen. Wer sich auf unserem Gelände umschaut, sieht, was sich hier alles im Bereich der Infrastruktur tut. Es haben zum Beispiel die Bauarbeiten für den Carport für E-Autos und E-Bikes begonnen, zudem wurde die Sanierung des Platzes grundsätzlich genehmigt. Da warten wir leider immer noch auf die Zusage vom Landessportbund, das zieht sich hin, darüber bin ich auch enttäuscht. Über allem steht natürlich der sportliche Erfolg. Daher war es wichtig, dass wir den Kader verstärken konnten und nach Möglichkeit eine bessere Saison spielen als die letzte.
Frage: Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?
Emmerling: Ganz klar wollen wir unter die ersten fünf und somit in die Aufstiegsrunde kommen. Wenn man es in so eine Aufstiegsrunde schafft, ist bei einer guten Konstellation eh alles möglich. Aber die Favoriten sind nach wie vor Spelle-Venhaus, BW Lohne, Heeslinger SC und auch der VfL Oldenburg.
Frage: Wie es der Zufall will, geht es zum Start wieder nach Heeslingen. Was erwarten Sie für einen Gegner?
Emmerling: Wir treffen direkt auf einen der Topfavoriten der Liga. Ich kann mich noch sehr gut an unsere letzte Partie in Heeslingen erinnern. Das Spiel war sehr umkämpft, am Ende haben wir 2:4 verloren. Heeslingen ist eine sehr ambitionierte Mannschaft, sicher auch vom Budget her höher einzustufen als wir. Überraschend haben sie einen Trainerwechsel vollzogen, jetzt müssen wir mal sehen, welche Marschroute der neue Trainer Lars Uder (bisher bei Regionalligist Drochtersen/Assel, Anm. der Redaktion) vorgeben wird.
Frage: Bekanntlich sind Sie in Hinte heimisch geworden, bauen momentan ein Haus um. Sehen Sie Ihre Zukunft langfristig bei Kickers oder würden Sie auch ins Grübeln kommen, würde mal ein höherklassiger Verein anklopfen?
Emmerling: Ich bin fast 35 Jahre im Profigeschäft. Was soll ich mir über Dinge Gedanken machen, die irgendwann einmal kommen könnten. Seit über zwei Jahren bin ich wieder beim BSV Kickers Emden. Falls irgendwann mal etwas kommen sollte, muss man die Situation neu bewerten. Aber ich glaube, auch mit dem Kauf des Hauses ist vielen klar geworden, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Sowohl im Verein als auch in Ostfriesland. Meine Frau ist sehr häufig hier, die Kinder und auch die Enkeltochter sind gerne in Emden.
Frage: Was mögen Sie an Ostfriesland?
Emmerling: Eigentlich alles. Ich komme mit den Menschen hier oben sehr gut klar, mir gefällt die Landschaft, ich genieße die Natur. Wir haben auch viele neue Freunde gewonnen. Ostfriesland wird von den Einheimischen oft kritischer gesehen als von den Gästen. Wenn Du mal am Ems-Jade-Kanal mit dem Fahrrad entlangfährst oder wenn ich auf meinem Grundstück sitze und in die Ferne blicke, ist es wunderschön. Man kann hier super leben und sich wohlfühlen.