Kolumne: Klare Kante
Freiheitliche Verpflichtung
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Donnerstags gibt es immer klare Kante.
Die 60. Wiederkehr des Jahrestages des Baus der Berliner Mauer am Freitag wird die Debatte, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, wieder beleben. Stramme Linke, aber auch Sozialdemokratinnen wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig lehnen diesen Begriff ab, weil er die Unrechtsdiktatur der Nazis mit dem sozialistischen Regime der DDR gleichsetze, zu wenig Respekt vor der Lebensleistung der Bürger unter schwierigen Bedingungen zeige.
Es ist gut, dass die Erinnerung an diesen Mauerbau in diesen Tagen von vielen bewusstseinsbildenden Aktionen wie Filmvorführungen, Mauertouren für Kinder, Ausstellungen und Fernseh-Dokus begleitet wird. Mit der Abriegelung der Sektorengrenze nach West-Berlin durch Grenz- und Volkspolizei, der „Kampfgruppe Arbeiterklasse“ und Soldaten der Nationalen Volksarmee wurde eine Mauer der Unmenschlichkeit geschaffen, die Deutsche von Deutschen trennte und die 28 Jahre Bestand haben sollte. Die Mauer befestigte die Teilung Deutschlands, war das Symbol des Kalten Krieges.
Mit dem Mauerbau bewies das „ideologiebesessene Regime“ – so Angela Merkel – seine Hilflosigkeit. Der „antifaschistische Schutzwall“, so die Propaganda Ost-Berlins, sollte die Massenflucht in den Westen ,die Abstimmung mit den Füßen, verhindern. 50.000 Ost-Berliner wurden fortan von ihren Arbeitsplätzen abgeschnitten.
Es galt der Schießbefehl an der Zonengrenze, mindestens 140 Menschen starben bis zur Wiedervereinigung bei dem Versuch, in die Freiheit zu gelangen. Die DDR erfüllte alle Voraussetzungen eines totalitären Staates, die Ablehnung der Gewaltenteilung, keine Rede-und Reisefreiheit, Bespitzelung von Andersdenkenden und Personenkult. In der Rechtsprechung deutscher Gerichte wurde die DDR wie auch das unheilvolle „Dritte Reich“ als Unrechtsstaat bezeichnet.
Die mit dem Mauerbau verbundene Erinnerungskultur gebietet es, dies der deutschen Jugend klar zu machen, eine sich aus der friedlichen Revolution der Deutschen ergebende freiheitliche Verpflichtung.
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