Hochwasser

Verbesserungsbedarf beim Katastrophenschutz in Niedersachsen

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 06.08.2021 21:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Sirene auf einem Feuerwehrhaus: Innenminister Boris Pistorius (SPD) fordert den Bund auf, ein störungsresistentes Warnsystem zu installieren. Foto: Dedert/dpa
Eine Sirene auf einem Feuerwehrhaus: Innenminister Boris Pistorius (SPD) fordert den Bund auf, ein störungsresistentes Warnsystem zu installieren. Foto: Dedert/dpa
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Falls eine Hochwasser-Katastrophe über Ostfriesland hereinbricht, ist Nordens THW-Fachgruppe für Elektroversorgung gefragt. Der Innenminister fordert derweil Warnsysteme, die ohne Stromnetz funktionieren.

Ostfriesland/Hannover/Berlin - Nach den Rekord-Hochwassern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen stellt sich die Frage, auf welche Rekord-Sturmfluten oder Niederschläge sich Ostfriesland vorbereiten muss.

„Starkregen ist an sich kein unvorstellbares Ereignis“, merkt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf Anfrage unserer Zeitung an. Bei der jüngsten Hochwasser-Katastrophe hätte „auf jeden Fall das Ausmaß des Schadens reduziert werden können, wenn wir besser gewappnet gewesen wären“, analysiert die Behörde. „Aber ein Land wie unseres, ohne solche Krisenerfahrungen, war wohl noch nicht bereit, sich präzise auf so etwas vorzubereiten.“ Nicht präzise vorbereitet – trifft das auch auf Ostfriesland zu?

Was macht das Land, wenn große Teile Ostfrieslands zum Risikogebiet werden?

Ostfriesland und angrenzende Küstengebiete werden bei extremem Hochwasser überwiegend zum Risikogebiet. Das geht aus einer Umweltkarte des niedersächsischen Umweltministeriums hervor. Trotzdem hat das Landes-Innenministerium auf eine Anfrage zum regionalen Katastrophenschutz komplett an die Landkreise und kreisfreien Städte verwiesen. Dortige Verwaltungen antworteten aber, dass es bei kreisübergreifenden Lagen koordinierende Aufgaben auf Landesebene gebe.

Unsere Zeitung hat beim Land nachgehakt. Die neue Antwort: „Sollte sich ein Katastrophenfall auf mehrere Katastrophenschutzbehörden erstrecken“, so könne das Innenministerium „die koordinierende Leitung übernehmen“.

Niedersachsens Innenminister kündigt Mängel-Suche an

Insbesondere bei großflächigen Evakuierungen stellt sich die Frage, wie das kreisübergreifend bewerkstelligt werden soll. Es folgt die vollständige Antwort des Innenministeriums: „Die Art und Weise einer strategischen Evakuierung erfolgt lageabhängig. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, beispielhaft genannt seien hier die Anzahl der zu evakuierenden Personen, Zeitraum, Transportkapazitäten, mögliche Evakuierungsrouten et cetera. Die (Küsten-)Landkreise verfügen hier aber durch frühere Hochwasser/Sturmfluten oder im Rahmen von Bombenentschärfungen über Erfahrungen, die wiederum in den jeweiligen Katastrophenschutzplänen ihren Niederschlag gefunden haben.“ Das soll demnach klappen.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat jedoch nach der jüngsten Hochwasser-Katastrophe Handlungsbedarf erkannt: „Wir werden die Lage genau analysieren, einschließlich möglicher Mängel oder Fehlentwicklungen“ – um „für die wachsenden Herausforderungen bestmöglich aufgestellt zu sein“. Er werde dazu eine Arbeitsgruppe einrichten.

Leistungsfähige Stromnetz-Ersatzanlage beim THW in Norden

„Die gesamte moderne Kommunikation ist auf elektrische Energie angewiesen“, erklärt der Landesverband des Technischen Hilfswerks (THW) für Niedersachsen und Bremen. „Dementsprechend ist es erforderlich, den Strom anderweitig, zum Beispiel durch mobile Stromerzeuger, zur Verfügung zu stellen, wenn der (reguläre) Strom ausfällt.“ Im THW verfüge die Fachgruppe Elektroversorgung über Netzersatzanlagen mit einer Leistung von bis zu 200 Kilovoltampere. Eine solche Fachgruppe gibt es laut Internetseite des THW in Ostfriesland – in Norden. Zur Einordnung: Die leistungsstärksten zwei Geräte, welche die Emder Katastrophenschutzbehörde registriert hat, leisten 80 Kilovoltampere. Und die Feuerwehrtechnische Zentrale in Emden verfügt demnach über ein Notstromaggregat mit 27 Kilovoltampere.

Um die Warnung der Bevölkerung sicherzustellen, sieht Minister Pistorius den Bund in der Pflicht, ein „funktionierendes, flächendeckendes Warnsystem“ zu installieren. „Wir brauchen ein einheitliches Warnsystem, das störungsresistent ist und auch dann funktioniert, wenn das Stromnetz zusammenbricht“, so Pistorius. „Wir brauchen neben den digitalen Systemen auch wieder mehr Alarmsirenen – meinetwegen auf jedem Schuldach.“

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