Osnabrück

Kennen Sie Hubert Aiwanger? Sollten Sie

Burkhard Ewert
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Von Burkhard Ewert
| 06.08.2021 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Der Newsletter von Burkhard Ewert gibt den Bürgern in der Fläche eine Stimme – dem „Rest der Republik“.

Ich kenne Hubert Aiwanger nicht persönlich, aber er hat meinen Respekt. Der Vorsitzende der Freien Wähler in Bayern möchte sich nicht gegen Corona impfen lassen, zumindest nicht sofort und ohne weiteres. Überhaupt würde das Impfen alleine die Pandemie nicht brechen. Es komme immer auch auf allgemeine Vorsicht und die Eigenverantwortung an.

Wegen so viel Renitenz ziehen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und halb Berlin täglich über Aiwanger her, andere werfen ihm kalkulierten Stimmenfang vor.

Ich hingegen glaube Aiwanger, dass er sehr persönliche Motive hat - inzwischen vermutlich an erster Stelle jenes, sich von einem übergriffigen Söder nichts sagen zu lassen. So war es ja gar nicht er, der seine Zurückhaltung an die große Glocke hing. Söder war es, der die Bedenken seines Wirtschaftsministers ungefragt und ohne Not bereits im Mai der breiten Öffentlichkeit bekannt machte.

Persönlich habe ich eine andere Entscheidung als Aiwanger getroffen. Aber er hat doch das Recht auf seine eigene! Zumindest heißt es das doch immer.

Vermutlich ist das wie bei der Meinungsfreiheit, außer es ist die falsche Ansicht, oder bei Beleidigungen, außer es trifft die richtigen, oder bei Plagiaten, außer sie erfolgen durch Frauen, oder bei den seit Jahrhunderten dokumentierten Hochwassern an der Ahr, die plötzlich nicht mehr an örtlicher Geologie und Geographie liegen sondern am Klimawandel.

Ohnehin ist der Spruch vom Hören auf die Wissenschaft vielen ja nur genehm, wenn er zur eigenen Meinung passt. Das jüngste Beispiel betrifft die Ständige Impfkommission (Stiko). Sie ist eine Art Inkarnation unabhängiger Wissenschaft und nach § 20 Abs. 2 Satz 3 IfSG für Impfempfehlungen zuständig. „Die Mitglieder sind bei ihrer Tätigkeit nur ihrem Gewissen verantwortlich und zu unparteiischer Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet“, heißt es in ihren Grundsätzen. Die Arbeit erfolge ehrenamtlich und „auf der Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz“, heißt es weiter, die Empfehlungen „spiegeln den neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand in Bezug auf Impfungen wider.“

Diese Grundlage ist noch einmal etwas ganz anderes, als wenn sich Interessenvertreter von Ärztegruppen wie der Intensivmediziner auch mit Blick auf die eigenen Häuser äußern oder wenn Labordirektoren zu Medienstars werden, für deren Einrichtungen (und eigenen Konten) es bei Corona-Tests auch um bares Geld geht.

Unabhängiger und wissenschaftlicher als die Stiko geht es also nicht. Wenn sie sich unter Leitung des langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft für Virologie nun schwertut, Corona-Impfungen von Jugendlichen und erst recht Kindern für relevant zu halten, zählen plötzlich auch Professorentitel und finanzielle wie organisatorische Freiheit nicht mehr. Dann wird behauptet und beschlossen, was man gerne hätte, damit Erwachsene geschützt sind, die trotz Impfung Angst haben oder ihrerseits auf eine verzichten, so wie derzeit übrigens jeder fünfte Lehrer, während um einen regulären Unterricht schon wieder gebangt werden muss.

Noch eine wissenschaftliche Frage stellt sich: Wenn tödliche Nebenwirkungen durchaus vorkommen - was spricht gegen systematische Obduktionen von Verdachtsfällen, wie sie ein Leopoldina-Pathologe im Südwesten jüngst empfahl, der die Anzahl bestätigter Impftoter unter 40 Verdachtsfällen in seiner Region auf bis zu 40 Prozent schätzte?

Ist das nichts? Ist das kein Wissenschaftler, der da spricht? Wieso sollte man hier keine Klarheit haben wollen und die Zahlen ins Verhältnis setzen, während über vereinzelte Long-Covid-Symptomatiken lang und breit berichtet wird?

Man kann Fakten ja verschieden bewerten. Aber das mindeste wäre doch, sie unvoreingenommen zu erheben - und Menschen anderer Meinung respektvoll gegenüberzutreten, seien ihre Bedenken nun medizinischer, freiheitlicher, religiöser oder parapsychologischer Natur.

Ich gehe sogar noch weiter und würde mir mehr Aiwangers wünschen, die den Mut haben, bei ihrer Meinung zu bleiben und die ein unverstelltes Denken aus dem Rest der Republik verkörpern. Vielleicht blickt man in den Talkshows nach der Sommerpause ja auch einmal nach Skandinavien und schämt sich ein wenig für den vormaligen Hochmut, bilanziert das No-Covid-Scheitern in Australien als Sehnsuchtsland der Merkelschen Beraterblase oder hört dort mal einem bayrischen Sturkopf zu statt den immer gleichen, betroffen blickenden Panikmachern.

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