Kriminalität
Polizei hatte Leeraner Schleuser schon im Februar auf dem Radar
Im Juli fasste die Bundespolizei in Leer den mutmaßlichen Kopf einer internationalen Schleuser-Bande. Schon im Februar steckten die Behörden ostfriesische Verdächtige in U-Haft, ließen sie aber frei.
Leer/Passau/Dresden - Die im Juli vorerst gestoppte Leeraner Schleuser-Bande hatten Ermittler der Bundespolizei offenbar bereits Mitte Februar auf dem Radar. Hinweise darauf geben zwei Einsätze bei Wegscheid in der Nähe von Passau und bei Bad Gottleuba in der Nähe von Dresden. In beiden Fällen hat die Bundespolizei mutmaßliche Schleuser aus Syrien festgenommen, die in Ostfriesland gemeldet waren – sie aufgrund einer Gerichtsentscheidung allerdings wieder laufen lassen. Auf Nachfrage bestätigt die in beiden Fällen zuständige Staatsanwaltschaft Passau mit Blick auf die aktuellen Einsätze im Kreis Leer: „Ein Zusammenhang wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Aurich geprüft.“
Mitte Juli hatte die Bundespolizei bei monatelang geplanten Durchsuchungen den mutmaßlichen Kopf einer syrischen Schleuser-Bande mit Sitz in Leer festgenommen. Zehn weitere Tatverdächtige wurden zwar zu Befragungen mitgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Laut der Bad Bentheimer Bundespolizei sitzt der Hauptverdächtige weiterhin in Untersuchungshaft. Die beiden Einsätze bei Passau und Dresden hingegen waren nicht geplant gewesen: Nach Angaben der Passauer Beamten hatte eine Streife am 10. Februar mitten in der Nach einen von der österreichischen Grenze kommenden Audi Q7 kontrollieren wollen. Dessen Fahrer ignorierte die Beamten allerdings, gab Gas und flüchtete. Besonders erfolgreich war er mit seinem Manöver aber nicht: Wegen Schneefalls und Glatteises kam der Q7 von der Straße ab und blieb beschädigt im Schnee liegen.
Gericht setzt Haftbefehle außer Vollzug
Es stellte sich heraus, dass außer dem in Ostfriesland gemeldeten Fahrer noch sechs weitere Syrer an Bord waren – die allerdings keine Pässe oder andere Ausweisdokumente dabei hatten. Zwar hatten die Sechs noch versucht, zu Fuß zu türmen, konnten von den Beamten aber schnell gefasst werden. Ihre Spuren waren im Schnee für die Einsatzkräfte zu leicht zu erkennen gewesen. Der mutmaßliche Schleuser kam wegen des Verdachts der versuchten Einschleusung unter schwerwiegender Gesundheitsgefährdung in U-Haft. Die sechs passlosen Syrer wurden mit Strafanzeigen wegen der unerlaubten Einreise zurück nach Österreich geschickt. Weil die Beamten den Verdacht hatten, ein anderer Wagen sei ihnen durch die Lappen gegangen, starteten sie eine bundesweite Fahndung nach einem weiteren mutmaßlichen Schleuser – mit Erfolg.
Nur einen Tag später konnte der ebenfalls in Ostfriesland Gemeldete in der Nähe von Dresden festgenommen werden. Er kam in die örtliche Justizvollzugsanstalt, von wo aus er allerdings nach Passau überstellt wurde, um die Ermittlungen in Bayern zu bündeln. Ein Sprecher der Passauer Bundespolizei kann eigenen Angaben zufolge nichts zu den Fällen sagen. Seiner Auskunft nach lägen die Akten bei der Staatsanwaltschaft. Dort teilt man mit, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen – aber die mutmaßlichen Schleuser wieder auf freiem Fuß, „da die Haftbefehle von dem Amtsgericht Passau außer Vollzug gesetzt wurden“.
Warum hat das Amtsgericht diese Entscheidung getroffen? Auf eine Anfrage der Redaktion hat die dortige Pressestelle bislang nicht reagiert. Ebenfalls unklar ist, ob die in Bayern und Sachsen Festgenommenen zu den im Juli in Ostfriesland gefassten Tatverdächtigen gehören. Auf Nachfrage hat ein Sprecher der Auricher Staatsanwaltschaft der Redaktion am Mittwoch und Donnerstag keine Auskunft dazu geben können. Zuletzt hatte auch die Bad Bentheimer Bundespolizei zu den mutmaßlichen Leeraner Schleusern kaum neue Informationen preisgegeben. Nur so viel: Die Ermittlungen dauerten an, außer dem Hauptverdächtigen sei niemand inhaftiert.