Windkraft-Pionier

Enercon-Gründer Aloys Wobben ist tot

Julia Jacobs
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Von Julia Jacobs
| 03.08.2021 14:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dr. Aloys Wobben hat das Auricher Unternehmen gegründet. Foto: Ortgies/Archiv
Dr. Aloys Wobben hat das Auricher Unternehmen gegründet. Foto: Ortgies/Archiv
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Der Erneuerbaren-Pionier und Enercon-Gründer Dr. Aloys Wobben verstarb nach langer Krankheit. Das teilten das Auricher Unternehmen und die Aloys-Wobben-Stiftung mit. Sein Lebensweg hat Filmcharakter.

Aurich - Der Enercon-Gründer und Stifter Dr. Aloys Wobben ist tot. Das teilten die Aloys-Wobben-Stiftung und Enercon am Dienstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Demnach ist Wobben nach langer schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren verstorben. „Der Vorstand der Aloys-Wobben-Stiftung und die Enercon-Geschäftsführung reagierten mit Betroffenheit auf die Nachricht vom Tod des Gründers und Stifters und bekundeten ihre tiefe Anteilnahme“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dr. Aloys Wobben ist verstorben. Foto: Archiv
Dr. Aloys Wobben ist verstorben. Foto: Archiv
Wobbens Lebensweg klingt ein wenig nach „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Tatsächlich fing er als Elektromaschinenbauer an, brachte es schlussendlich aber sogar zum Milliardär. Der gebürtige Emsländer studierte nach der Ausbildung Elektrotechnik in Osnabrück und habe sich bereits währenddessen mit den Themen Erneuerbare Energien und speziell Windenergie beschäftigt, schreibt die Aloys-Wobben-Stiftung auf ihrer Internetseite.

Windkraft bestimmte Wobbens Leben

Die Windkraft war es, die fortan sein Leben bestimmen sollte – und ebenso das Schicksal der Stadt Aurich mitbestimmte. Dort gründete Wobben 1984 das Unternehmen Enercon – zu einer Zeit, in der vom Klimawandel noch so gut wie keine Rede war und die Zukunft der Energieversorgung noch in der Atomkraft zu liegen schien. Mit nur wenigen Mitarbeitern habe Wobben in Aurich nach Angaben der Stiftung die ersten Windkraftanlagen entwickelt. Den Durchbruch habe 1992 schließlich die erste getriebelose Enercon-Anlage gebracht, die mit ihrer Technologie zugleich auch das Patentrezept für den weiteren Erfolg des Unternehmens lieferte, das von Ostfriesland aus den Weltmarkt mit Windenergieanlagen versorgt.

Was zunächst in einer einzigen Halle im Gewerbegebiet im Ortsteil Sandhorst geschah und von Ortsansässigen damals auch gerne mal belächelt wurde, wuchs ab Anfang der 90er Jahre zum größten Arbeitgeber im Landkreis Aurich heran. Das Gewerbegebiet in Aurich ist heute fest in der Hand von Enercon, hinzu kommt eine ganze Reihe an Standorten nicht nur in Ostfriesland, sondern in der ganzen Welt. Zugleich entstand über die Jahre aber auch ein System von Sub- und Partnerunternehmen, die ihren Sitz mitunter im Ausland hatten. Dieses Vorgehen brachte dem Auricher Konzern einige Kritik ein, allen voran von Gewerkschaften, aber auch aus der Politik. Darüber hinaus musste sich Wobben immer wieder auch den Vorwurf anhören, er habe Gewerkschaften bewusst aus dem Unternehmen heraushalten wollen.

Unter den 400 reichsten Menschen der Welt

Ein Umdenken hinsichtlich der Standortpolitik erfolgte bei Enercon erst, nachdem das Unternehmen infolge des stagnierenden Ausbaus der Windenergie in Deutschland in eine Krise geriet und ab 2019 eine Umstrukturierung in Angriff nahm, die mit dem Abbau von insgesamt etwa 3000 Arbeitsplätzen an den beiden deutschen Standorten verbunden war. In Aurich und Magdeburg fielen jeweils rund 1500 Jobs weg. Enercon will nun stattdessen seine Produktion im Ausland stärken, um seine Anlagen kostengünstiger herzustellen – auch durch eine Verkürzung der Lieferwege zu den Standorten der entstehenden Windparks etwa in Südostasien.

Wobben verhalf der Erfolg seines Unternehmens, mit dem er in den 80er Jahren klein angefangen hatte, zu einem beachtlichen Vermögen: Er galt seit Jahren als reichster Niedersachse und einer der reichsten Deutschen. Das Magazin „Forbes“ platzierte ihn in diesem Jahr auf seiner Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 384 – mit einem geschätzten Vermögen von 6,8 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus konnte sich der Unternehmer über zahlreiche Auszeichnungen freuen: Bereits 1997 erhielt Wobben nach Angaben der Stiftung das Bundesverdienstkreuz, es folgten unter anderem der Deutsche Umweltpreis und die Ehrendoktorwürde der Universität Kassel.

Wobben litt bereits seit Jahren unter gesundheitlichen Problemen, die ihn 2012 dazu veranlasst hätten, sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzuziehen, schreibt die Aloys-Wobben-Stiftung, welcher er daraufhin sein Vermögen und die Verantwortung über den Konzern übertrug. „Zum Erhalt der Schöpfung beizutragen mit meinen Fähigkeiten, ist mein Auftrag, damit unser Planet bewohnbar bleibt“, zitiert die Stiftung ihren Namensgeber. Die Erfüllung dieses Auftrags konnte Aloys Wobben – der schon an Energie aus Windkraft glaubte, als andere angesichts seiner Ideen nur mit dem Kopf schüttelten – nicht mehr miterleben. Aber Mitstreiter, die sich für eine Energiewende und den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen, hat er in den vergangenen Jahrzehnten viele gefunden.

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