Bremen
Beim SV Werder Bremen muss schnell viel Gutes passieren
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die 2. Liga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach in der Jugendabteilung des FC Hude.
Liebe Leser,
der SV Werder hat in seinem ersten Zweitligaspiel seit 40 Jahren eine gehörige Portion Glück gehabt. Hätte Hannover 96 Stürmer aufbieten können, die gutes Bundesliga-Format haben, wäre die Mannschaft als Sieger vom Platz gegangen. Und das gegen eine Bremer Elf, die im Vergleich zur zurückliegenden Erstliga-Saison kaum verändert war. Werder hat allerdings leider auch genauso gespielt wie damals. Es war das gleiche System. Die Offensive war schwach: Es gab keine herausgespielte Chance. Das hat mich schon ziemlich überrascht. Ich kann ausgesprochen gut nachvollziehen, dass die Zuschauer nach der Partie sehr enttäuscht waren.
Werder-Trainer sollte System ändern
Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass der neue Trainer Markus Anfang in dieser Saison etwas anderes machen würde. Ich war davon ausgegangen, dass er das System verändert und anderen Spielern eine Chance gibt. Aus meiner Sicht muss er jetzt reagieren. Am Samstag reist Werder zu Fortuna Düsseldorf. Das ist eine gestandene Zweitliga-Mannschaft, die für mich zum Kreis der Aufstiegsanwärter gehört. Schon in der vergangenen Saison hatte sie ja einen Fuß in der Tür zur Bundesliga. Wenn die Bremer dort so auftreten wie gegen Hannover, wird es ein ganz böses Erwachen geben. Ich würde in Düsseldorf mit zwei echten Stürmern antreten. Josh Sargent war für mich gegen Hannover der ärmste Kerl auf dem Platz. Er sollte Tore schießen und auch noch der vorderste Abwehrspieler sein. Das kann er doch gar nicht schaffen. Er hat überhaupt keine Torgefahr ausgestrahlt. Als zweite Sturmspitze würde er deutlich entlastet. Und: Mit zwei Angreifern in vorderster Linie sorgst du für viel mehr Unruhe in der Abwehr des Gegners.
Jungen Spielern im Werder-Kader Vertrauen schenken
Ich würde zudem über personelle Wechsel nachdenken. Wenn er fit ist, würde ich zum Beispiel Nick Woltemade auf der Position von Yuya Osako aufbieten. Er ist für mich spielerisch klar besser. Osako hat mich gegen Hannover nicht überzeugt. Werder muss sich in diesem Bereich aber deutlich steigern, um seine Spiele gegen die besseren Mannschaften in dieser Liga gewinnen zu können. Ich würde auch deshalb den jungen Spielern im Kader mehr Vertrauen schenken. Woltemade ist für mich nicht der einzige, dem ich zutraue, dass er die Mannschaft voranbringen kann. Das gilt übrigens nicht nur für die Offensive. Die Werder-Abwehr hat gegen Hannover mächtig gewackelt, auch das hatte ich, ehrlich gesagt, so nicht erwartet.
SV Werder steht schon unter Druck
Das alles macht mir nicht nur mit Blick auf die Partie an diesem Samstagabend in Düsseldorf große Sorgen. Bei Werder muss schnell viel Gutes passieren, denn sonst rückt das Saisonziel Wiederaufstieg schon recht bald in unerreichbare Ferne. In der Form des ersten Heimspiels wird Werder nicht nur bei der Fortuna verlieren, sondern im Saisonverlauf nur im Mittelfeld der Tabelle mitspielen.