GA-Serie „Das Dorfleben und das Virus“

Dorffest in Esklum noch nicht vom Tisch

Friedhelm Müller-Düring
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Von Friedhelm Müller-Düring
| 29.07.2021 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Eröffneten während der Pandemie die Pausen-Station Lüttje Tüütje: Ute und Peter-Andree Willms. Foto: Müller-Düring
Eröffneten während der Pandemie die Pausen-Station Lüttje Tüütje: Ute und Peter-Andree Willms. Foto: Müller-Düring
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„Das Dorfleben und das Virus“ heißt eine Artikelserie, die der GA seinen Lesern zurzeit bietet. Menschen aus 30 Dörfern schildern, was Corona in ihrem Ort verändert hat. Dieses Mal: Esklum.

Esklum/Driever - Die Corona-Pandemie hat das Dorfleben in Esklum und Driever weitestgehend zum Erliegen gebracht. Das Kirchenleben ist eingeschränkt, die Freiwillige Feuerwehr hat seit über einem Jahr keine Dienstabende mehr gemacht, Skatrunden sind ebenso ausgefallen wie der Feuerwehr- und der Dreiländerwettkampf.

An Heiligabend gab es in der Kirche in Driever eine Orgelandacht. Foto: Müller-Düring
An Heiligabend gab es in der Kirche in Driever eine Orgelandacht. Foto: Müller-Düring
Doch es gab auch Lichtblicke wie beispielsweise den Aussendungsgottesdienst, die Orgelandacht an Heiligabend, die Indienststellung des neuen Mannschaftstransportfahrzeugs der Feuerwehr, die Johanniterausstellung mit dem anschließenden Johannitermarkt, den wunderschönen Schaugarten der Familie Diddens, die Installierung eines Defibrillators bei der Feuerwehr und die Eröffnung der Pausen-Station „Lüttje Tüütje“ von Ute und Peter-Andree Willms.

Weder Kaffee noch Kirchenmusik

Das kleine Deichdorf Driever mit seinen knapp 100 Einwohnern in der Gemeinde Westoverledingen leidet in der Corona-Zeit vor allem daran, dass das kirchliche Leben sehr eingeschränkt ist. Das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst fehlt den 76 Kirchenmitgliedern. „Zudem legen wir sehr viel Wert auf unsere Kirchenmusik“, sagt Ortsvorsteher Franz-Josef Fuchs. Trotz Corona ließ sich die Kirchengemeinde einiges einfallen. Zu Weihnachten gab es einen Außengottesdienst, der besonders gut ankam. „Kinder sind ausgesandt worden und haben Geschenke an die Haustüren gehängt“, sagt Franz-Josef Fuchs. An Heiligabend gab es eine Orgelandacht mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern in der Kirche, die im Zentrum des Dorfes liegt.

Ein Blickfang in Esklum: der Schaugarten von Meike und Wilhelm Diddens. Foto: Müller-Düring
Ein Blickfang in Esklum: der Schaugarten von Meike und Wilhelm Diddens. Foto: Müller-Düring
Der Ortsvorsteher freut sich schon wieder darauf, ab September bei Altengeburtstagen und Ehejubiläen persönlich zu gratulieren. „Derzeit bringen wir die Geschenke noch zur Gemeinde, die sie dann rumfährt und an die Türen der Jubilare hängt“, sagt Franz-Josef Fuchs. Die Blicke des Ortes richten sich nach vorn. So soll der erneuerte Karkpad an der Kirche mit einer kleinen Feier eingeweiht werden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Konzerte im Gulfhaus

So garnicht entmutigen lassen von der Pandemie haben sich Anita und Klaus Remy. Im Gulfhaus Dartein an der Klosterstraße in Driever fanden bis zum Lockdown im Herbst des vergangenen Jahres Konzerte der Reihe Winter in Driever statt. „Wir veranstalten alles in Eigenregie und konnten flexibel auf die Zahlen und Bestimmungen reagieren“, sagt Anita Remy, die sich besonders über das Publikum freut, das sich an die Regeln hielt und sich solidarisch mit den Veranstaltern und den Künstlern zeigte. So konnten bereits Ende Mai und im Juni zwei der ausgefallenen Konzerte nachgeholt werden. „Wir nehmen wieder Fahrt auf“, freut sich Anita Remy. Am 4. September findet ein Klavierabend mit Christiane Behn statt. „Die Konzerte waren immer ausverkauft. Es gibt ein großes Bedürfnis nach Live-Musik“, betont Anita Remy.

Erheblich zu leiden unter der Pandemie hatte bis zum heutigen Tage auch die Freiwillige Feuerwehr Esklum. Es fand kein Feuerwehrwettkampf und auch kein Dreiländerwettkampf der Wehren Breinermoor, Backemoor und Esklum statt. Das traditionelle Maibaumsetzen konnte nur unter eingeschränkten Bedingungen stattfinden. So wurde der Maibaum nur von einer Familie gebunden. Auch das Blumenmachen wurde in die einzelnen Familien gegeben. „Die Leichtigkeit ist einfach weg“, erklärt Ortsbrandmeister Matthias Netthövel.

Ehrungen werden nachgeholt

Immerhin konnten die sechs Kameradinnen und 18 Kameraden nach dem Sinken der Corona-Zahlen wieder zwei Dienstabende gestalten. Während der Pandemie gab es ein neues Mannschaftstransportfahrzeug. Das ist auch notwendig, zumal die Freiwillige Feuerwehr sieben bis acht Kameraden für die Wasserrettung des Landkreises zur Verfügung stellt. Für das neue Fahrzeug wurde unter Einhaltung der Corona-Bedingungen gleich ein neues Carport gebaut. „Schade, die feierliche Einweihung ist uns flöten gegangen“, sagt Matthias Netthövel, der aber zumindest die nicht stattgefundenen Ehrungen bis Ende August und die abgesagte Präsentationsfahrt nach Driever nachholen will. „Wir wollen den Kontakt ausbauen, da kein Kamerad aus Driever kommt“, sagt der Ortsbrandmeister.

Johann Gerdes
Johann Gerdes
Auf ihn kommt in nächster Zeit noch eine Menge Arbeit zu. So sollen die Räumlichkeiten des Dorfgemeinschaftshauses von der Feuerwehr übernommen werden. Ein Umbau ist für dieses Jahr geplant. Das Dorffest auf der Wiese hinter dem Feuerwehrhaus, veranstaltet von der Freiwilligen Feuerwehr und der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Johann Gerdes, ist noch nicht vom Tisch. „Die ersten Planungen haben im letzten Jahr stattgefunden. Wir müssen die Zeit aber noch abwarten, noch habe ich kein gutes Gefühl“, sagt Johann Gerdes.

Auftrieb gibt der Johannitermarkt

Auftrieb für die Dorffestplanungen gibt dem Ortsvorsteher der 1. Johannitermarkt, der in diesem Sommer im Anschluss an die Wanderausstellung „Johanniter an der Nordseeküste“ von Mitte Mai bis Mitte Juni im restaurierten Turm der Esklumer Kirche auf der Wiese bei der Kirche stattgefunden hat. „Der Markt war sehr gut besucht. Die Leute waren heiß rauszugehen“, freut sich Johann Gerdes. Es ist im Gespräch, dass es im nächsten Jahr eine Neuauflage des Johannitermarkts geben soll.

Stolz auf das neue Carport: Esklums Ortsbrandmeister Matthias Netthövel. Foto: Müller-Düring
Stolz auf das neue Carport: Esklums Ortsbrandmeister Matthias Netthövel. Foto: Müller-Düring
Das Kirchenleben ist nach wie vor eingeschränkt. Nachdem Weihnachten nicht in der Kirche gefeiert werden durfte, blieb auch das Singen in den Gottesdiensten zunächst komplett untersagt. Viele Kirchenmitglieder blieben deshalb auch zu Hause.

Seele baumeln lassen

Seit einigen Wochen ist es zumindest erlaubt, ein Lied am Ende des Gottesdienstes zu singen. Auch das beliebte und immer sehr gut besuchte Wandelkonzert „Romantisches Abendliedersingen“ der drei evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Grotegaste, Driever und Esklum, wo die Besucher von Kirche zu Kirche ziehen, fand zweimal in Folge nicht statt. Ebenfalls seit zwei Jahren findet keine „offene Kirche“ statt. Vor Corona wurde die Esklumer Kirche vom 1. Mai bis 1. Oktober morgens auf- und abends wieder abgeschlossen. Insbesondere viele Radfahrer machten von diesem Angebot regen Gebrauch.

Im stilvollen Schaugarten von Meike und Wilhelm Diddens an der Esklumer Straße konnten die Besucher auch während der Pandemie ihre Seele ein wenig baumeln lassen. Auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern kann man verschiedene Räume mit Ein- und Ausblicken erleben und eine riesige Pflanzenwelt, unter anderem mit Stauden und Rosen, genießen. Verschiedene Sitzplätze bieten die Gelegenheit, den Garten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. „Meike und Wilhelm Diddens liegt sehr viel an der Gestaltung ihres Gartens. Sie sind mit Eifer dabei“, betont Gerdes.

Demnächst gibt es auch Käse

Voller Elan sind auch Ute und Peter-Andree Willms, die während der Pandemie ihre Pausen-Station „Lüttje Tüütje“ an der Esklumer Straße eröffneten, um frische Weide-Eier zu verkaufen. Angefangen mit 150 Hühnern hat sich deren Zahl mittlerweile auf 500 erhöht. In dem kleinen und hübsch aufgemöbelten Bauwagen gibt es neben selbstgemachter Marmelade und selbst hergestellten Nudeln ebenfalls Kaffee und Kuchen. „Demnächst wollen wir auch Käse anbieten. Dazu kommt extra eine mobile Käserei zu uns“, verrät Peter-Andree Willms. Zum Angebot hinzu gekommen ist seit einigen Wochen eine Milchtankstelle. „Alles bei uns ist Selbstbedienung. Das klappt einwandfrei. 99 Prozent aller Kunden sind zufrieden“, sagen Ute und Peter-Andree Willms.

Nächste Folge: Langholt

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