GA-Serie „Das Dorfleben und das Virus“
Dorffest in Esklum noch nicht vom Tisch
„Das Dorfleben und das Virus“ heißt eine Artikelserie, die der GA seinen Lesern zurzeit bietet. Menschen aus 30 Dörfern schildern, was Corona in ihrem Ort verändert hat. Dieses Mal: Esklum.
Esklum/Driever - Die Corona-Pandemie hat das Dorfleben in Esklum und Driever weitestgehend zum Erliegen gebracht. Das Kirchenleben ist eingeschränkt, die Freiwillige Feuerwehr hat seit über einem Jahr keine Dienstabende mehr gemacht, Skatrunden sind ebenso ausgefallen wie der Feuerwehr- und der Dreiländerwettkampf.
Weder Kaffee noch Kirchenmusik
Das kleine Deichdorf Driever mit seinen knapp 100 Einwohnern in der Gemeinde Westoverledingen leidet in der Corona-Zeit vor allem daran, dass das kirchliche Leben sehr eingeschränkt ist. Das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst fehlt den 76 Kirchenmitgliedern. „Zudem legen wir sehr viel Wert auf unsere Kirchenmusik“, sagt Ortsvorsteher Franz-Josef Fuchs. Trotz Corona ließ sich die Kirchengemeinde einiges einfallen. Zu Weihnachten gab es einen Außengottesdienst, der besonders gut ankam. „Kinder sind ausgesandt worden und haben Geschenke an die Haustüren gehängt“, sagt Franz-Josef Fuchs. An Heiligabend gab es eine Orgelandacht mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern in der Kirche, die im Zentrum des Dorfes liegt.
Konzerte im Gulfhaus
So garnicht entmutigen lassen von der Pandemie haben sich Anita und Klaus Remy. Im Gulfhaus Dartein an der Klosterstraße in Driever fanden bis zum Lockdown im Herbst des vergangenen Jahres Konzerte der Reihe Winter in Driever statt. „Wir veranstalten alles in Eigenregie und konnten flexibel auf die Zahlen und Bestimmungen reagieren“, sagt Anita Remy, die sich besonders über das Publikum freut, das sich an die Regeln hielt und sich solidarisch mit den Veranstaltern und den Künstlern zeigte. So konnten bereits Ende Mai und im Juni zwei der ausgefallenen Konzerte nachgeholt werden. „Wir nehmen wieder Fahrt auf“, freut sich Anita Remy. Am 4. September findet ein Klavierabend mit Christiane Behn statt. „Die Konzerte waren immer ausverkauft. Es gibt ein großes Bedürfnis nach Live-Musik“, betont Anita Remy.
Erheblich zu leiden unter der Pandemie hatte bis zum heutigen Tage auch die Freiwillige Feuerwehr Esklum. Es fand kein Feuerwehrwettkampf und auch kein Dreiländerwettkampf der Wehren Breinermoor, Backemoor und Esklum statt. Das traditionelle Maibaumsetzen konnte nur unter eingeschränkten Bedingungen stattfinden. So wurde der Maibaum nur von einer Familie gebunden. Auch das Blumenmachen wurde in die einzelnen Familien gegeben. „Die Leichtigkeit ist einfach weg“, erklärt Ortsbrandmeister Matthias Netthövel.
Ehrungen werden nachgeholt
Immerhin konnten die sechs Kameradinnen und 18 Kameraden nach dem Sinken der Corona-Zahlen wieder zwei Dienstabende gestalten. Während der Pandemie gab es ein neues Mannschaftstransportfahrzeug. Das ist auch notwendig, zumal die Freiwillige Feuerwehr sieben bis acht Kameraden für die Wasserrettung des Landkreises zur Verfügung stellt. Für das neue Fahrzeug wurde unter Einhaltung der Corona-Bedingungen gleich ein neues Carport gebaut. „Schade, die feierliche Einweihung ist uns flöten gegangen“, sagt Matthias Netthövel, der aber zumindest die nicht stattgefundenen Ehrungen bis Ende August und die abgesagte Präsentationsfahrt nach Driever nachholen will. „Wir wollen den Kontakt ausbauen, da kein Kamerad aus Driever kommt“, sagt der Ortsbrandmeister.
Auftrieb gibt der Johannitermarkt
Auftrieb für die Dorffestplanungen gibt dem Ortsvorsteher der 1. Johannitermarkt, der in diesem Sommer im Anschluss an die Wanderausstellung „Johanniter an der Nordseeküste“ von Mitte Mai bis Mitte Juni im restaurierten Turm der Esklumer Kirche auf der Wiese bei der Kirche stattgefunden hat. „Der Markt war sehr gut besucht. Die Leute waren heiß rauszugehen“, freut sich Johann Gerdes. Es ist im Gespräch, dass es im nächsten Jahr eine Neuauflage des Johannitermarkts geben soll.
Seele baumeln lassen
Seit einigen Wochen ist es zumindest erlaubt, ein Lied am Ende des Gottesdienstes zu singen. Auch das beliebte und immer sehr gut besuchte Wandelkonzert „Romantisches Abendliedersingen“ der drei evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Grotegaste, Driever und Esklum, wo die Besucher von Kirche zu Kirche ziehen, fand zweimal in Folge nicht statt. Ebenfalls seit zwei Jahren findet keine „offene Kirche“ statt. Vor Corona wurde die Esklumer Kirche vom 1. Mai bis 1. Oktober morgens auf- und abends wieder abgeschlossen. Insbesondere viele Radfahrer machten von diesem Angebot regen Gebrauch.
Im stilvollen Schaugarten von Meike und Wilhelm Diddens an der Esklumer Straße konnten die Besucher auch während der Pandemie ihre Seele ein wenig baumeln lassen. Auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern kann man verschiedene Räume mit Ein- und Ausblicken erleben und eine riesige Pflanzenwelt, unter anderem mit Stauden und Rosen, genießen. Verschiedene Sitzplätze bieten die Gelegenheit, den Garten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. „Meike und Wilhelm Diddens liegt sehr viel an der Gestaltung ihres Gartens. Sie sind mit Eifer dabei“, betont Gerdes.
Demnächst gibt es auch Käse
Voller Elan sind auch Ute und Peter-Andree Willms, die während der Pandemie ihre Pausen-Station „Lüttje Tüütje“ an der Esklumer Straße eröffneten, um frische Weide-Eier zu verkaufen. Angefangen mit 150 Hühnern hat sich deren Zahl mittlerweile auf 500 erhöht. In dem kleinen und hübsch aufgemöbelten Bauwagen gibt es neben selbstgemachter Marmelade und selbst hergestellten Nudeln ebenfalls Kaffee und Kuchen. „Demnächst wollen wir auch Käse anbieten. Dazu kommt extra eine mobile Käserei zu uns“, verrät Peter-Andree Willms. Zum Angebot hinzu gekommen ist seit einigen Wochen eine Milchtankstelle. „Alles bei uns ist Selbstbedienung. Das klappt einwandfrei. 99 Prozent aller Kunden sind zufrieden“, sagen Ute und Peter-Andree Willms.
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