GA-Serie „Das Dorfleben und das Virus“
Die Hoffnung auf Winterfest in Großwolde bleibt
„Das Dorfleben und das Virus“ heißt eine Artikelserie, die der GA seinen Lesern zurzeit bietet. Menschen aus 30 Dörfern schildern, was Corona in ihrem Ort verändert hat. Dieses Mal: Großwolde.
Großwolde - Obwohl der Jugendtreff in Großwolde während der Pandemie geschlossen war, hat der Ort seine Jugendlichen nicht vergessen. Hendrik Rubien, Präventionskraft seit 2011, und Laura Boltjes, Jugendpflegerin seit 2019, haben auf unterschiedliche Weise die Verbindung zu den jungen Menschen gehalten. „Mit Zoom-Meetings oder über Instagram und Facebook haben wir gezeigt, dass wir noch für sie da sind“, sagt Laura Boltjes, die sich beispielsweise während der Pandemie intensiv um die Mädchentanzgruppe Powergirls kümmerte.
Win-Win-Situation für alle
„Durch Corona war zunächst Stillstand, der dann aber dazu geführt hat, sich neu zu finden. Gerade die jungen Menschen sind darauf angewiesen, mit Gleichaltrigen unterwegs zu sein. Gemeinschaft prägt. Eine Clique hinterlässt im Leben Spuren“, betont Hendrik Rubien. Corona habe bei manchen zu depressiven Verstimmungen geführt. Wer bin ich, wo ist mein Platz, fragten sich die Jugendlichen. „Wir haben gerade nur eine Corona-Pause. Die Angst schwingt bei den Jugendlichen noch immer mit. Das ist auf jeden Fall keine unbeschwerte Jugend“, sagt Hendrik Rubien.
Wie sehr sich die Kinder und Jugendlichen nach Kontakten sehnen, zeigt das riesige Interesse bei der diesjährigen Ferienpassaktion. Unter der Federführung von Jugendpfleger Jann Bunger kamen über 50 Angebote zustande. Mit aktuell 320 Anmeldungen sind die Veranstaltungen fast alle ausgebucht. „Als Ferienpassbeauftragter hat Jann Bunger über die Jahre gute Bindungen zu den Veranstaltern aufgebaut. Das macht sich jetzt bezahlt“, freut sich Hendrik Rubien und hofft, dass so Leben in die Vereine kommt. Für alle seien die Ferienpassaktionen Win-Win-Situationen.
Feuerwehr ist coole Truppe
Als eine coole Truppe präsentiert sich auch die Freiwillige Feuerwehr Großwolde. 36 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren freuten sich riesig, als nach einer Vorlaufzeit von zwei Jahren mitten in der Pandemie mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) und dem Mannschaftstransportwagen zwei nigelnagelneue Fahrzeuge vorgefahren kamen. „Wir haben die Schwangerschaft von zwei Jahren gut überstanden. Das TSF ist ganz nach unserem Wunsch und unseren Anforderungen angepasst worden, so wie wir es brauchen“, betont Ortsbrandmeister Christian Cordes. Zum Schmunzeln aller wurde nach der Ankunft der beiden Fahrzeuge auch ein Storchennest aufgestellt.
Nach dem Abflauen der Corona-Inzidenzwerte konnten die Großwolder Kameraden ihren Dienstbetrieb wieder aufnehmen. Das wurde auch Zeit, denn es war schon eine besondere Aufgabe, die Mannschaft während der Pandemie zu motivieren. „Die Arbeit im Hintergrund ist immer auf Hochtouren gelaufen. Schließlich mussten der Ausbildungsdienst und alle weiteren Veranstaltungen für 15 Monate ausgesetzt werden“, sagt Christian Cordes. Vielen Kameraden fehlte der Treffpunkt vor Ort für Gespräche untereinander. „Das war eine schwierige Zeit. Eher außergewöhnlich war, dass wir während der Pandemie neue Mitglieder bekommen und jetzt aufgenommen haben“, sagt der Ortsbrandmeister.
Eineinhalb Jahre nichts gemacht
„Die Motivation bei meinen Kameradinnen und Kameraden liegt bei 112 Prozent. Sie brennen darauf, in den Feuerwehrdienst einzusteigen“, betont der Feuerwehrchef. Einen Online-Ausbildungsdienst wie in der Corona-Zeit habe es in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr noch nicht gegeben. Ein großes Lob verteilte Christian Cordes an seinen Stellvertreter Jürgen Neumann. Der IT-Spezialist habe einen Raum zum Filmstudio umgebaut und seine Kameraden, die teilweise weltweit unterwegs seien, online auf dem Laufenden gehalten
Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie muss beim Großwolder SV vieles erst wieder anlaufen. „Wir haben anderthalb Jahre nichts gemacht. Die Gemeinschaft ist eingeschlafen“, erklärt Daniel Schnäpp, Vorsitzender des 220 Mitglieder starken Sportvereins. Die Sporthalle sei offen. Man müsse gucken, wie das beispielsweise von den Hobbyfußballern, der Ü50-Gruppe Fitness oder der Pilates-Gruppe, der stärksten Sparte des SV, angenommen werde. Seitens des Vereins sind noch keine Aktionen geplant. Man kocht noch auf Sparflamme. Eines ist aber sicher, das Winterfest, das in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wird und coronabedingt zweimal ausfallen musste, soll wieder stattfinden.
„Dann ging alles von vorne los“
Die Eröffnung des Hofladens an der Großwolder Straße Anfang April des vergangenen Jahres stand kurz nach dem Ausbruch der Pandemie unter keinem guten Stern. „Wir sind mit einem schlechten Gefühl gestartet“, beschreibt Inhaber Janno Schmid seinen damaligen Gemütszustand und stellte sich die Frage, ob die Leute wohl noch einkaufen gehen? Diese Angst zerschlug sich aber schnell, dafür gab es jede Menge Sicherheitsauflagen seitens der Behörden.
Die anschließende Spargelernte wurde zur ersten ernsthaften Herausforderung für den Hofladen. Zwar wurde privat mehr Spargel gekauft, doch die eingeplanten Lieferungen an die Gastronomie, die ja bekanntlich schließen musste, fielen komplett aus. Bei den Erdbeeren war die Lage dann entspannter. „Dieses Jahr ging dann alles wieder von vorne los. Wieder war die Gastro weg. Alle großen Events waren weg“, erklärt Janno Schmid. Dennoch sei man bislang mit einem blauen Auge davongekommen, weil Lebensmittel im Hofladen seit Pandemiebeginn weiter verkauft werden dürfen. „Das Ladengeschäft ist aber nicht alles“, schränkt Janno Schmid ein. Die Ungewissheit sei nach wie vor das größte Problem. Man könne sich auf nichts verlassen. „Normalerweise planen wir ein Jahr voraus. Bei solchen unsicheren Zeiten ist das allerdings Glückssache“, betont Janno Schmid. Einen schweren Start hatte auch das Café Kuchenliebe von Melina Gatzka-Gröttrup aus Folmhusen, die sich erst wenige Monate vor Pandemiebeginn selbstständig gemacht hatte. „Schlimmer geht es einfach nicht“, sagt Janno Schmid.
Endlich wieder Altengeburstage
Ortsbürgermeister Andreas Klaasen ist froh, dass er ab dem 1. September – nach telefonischer Voranmeldung – bei Altengeburtstagen und Ehejubiläen wieder persönlich gratulieren darf. „Coronabedingt durfte und darf das nicht mehr durchgeführt werden“, erklärt Andreas Klaasen. Stattdessen hängt der Ortsbürgermeister blaue Jutetaschen, bestückt mit einem Präsent und einer Karte, an die Tür. „Wir wollen zeigen, dass wir die Menschen nicht vergessen“, sagt Andreas Klaasen, dem das Miteinander in der Ortschaft sehr gefällt. „Ich bin stolz darauf, hier zu wohnen. Bei uns hält man zusammen. Beispielsweise wird für Erkrankte eingekauft. Die Gemeinschaft blüht trotz Corona auf“, freut sich Andreas Klaasen.
Schade findet der Ortsbürgermeister, dass in den vergangenen zwei Jahren die allseits so beliebte und vom Ortsrat veranstaltete Seniorenfahrt ausfallen musste. Sie werde toll angenommen. „Ich hoffe, dass die Fahrt im nächsten Jahr stattfinden kann“, betont Andreas Klaasen, der seit 2011 Ortsbürgermeister von Großwolde ist.