Schwimmförderung

Eltern werden im Badezimmer zu Schwimmtrainern

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 14.07.2021 14:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die fünfjährige Malea hat keine Angst im Wasser. Wenn das Wasser beim Ausatmen blubbert, schließt sich aber lieber die Augen. Foto: Gettkowski
Die fünfjährige Malea hat keine Angst im Wasser. Wenn das Wasser beim Ausatmen blubbert, schließt sich aber lieber die Augen. Foto: Gettkowski
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Homeswimming – noch nie gehört? Das ist ein Projekt, das die Schwimmausbildung effektiver machen soll, weil es monatelang keine Schwimmkurse gab. Eltern werden im heimischen Badezimmer zu Trainern.

Was und warum

Darum geht es: In der Corona-Zeit fand monatelang kein Schwimmunterricht statt. Die ohnehin schon dramatisch gesunkene Schwimmfähigkeit von Kindern nimmt weiter zu.

Vor allem interessant für: Eltern und Kinder.

Deshalb berichten wir: Die DLRG hat das Projekt Homeswimming entwickelt. Wenn viele Eltern dabei mitziehen, wird wertvolle Zeit gespart und mehr Kindern das Schwimmenlernen ermöglicht.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Weener - Was sich hinter den Begriffen Homeoffice und Homeschooling verbirgt, dürfte sich in der Corona-Zeit herumgesprochen haben. Von Homeswimming dagegen haben vermutlich die wenigsten schon gehört. Darunter versteht man nicht etwa das Schwimmen im eigenen Pool. Durch Homeswimming sollen Eltern ihre Kinder in der Badewanne oder der Dusche ans Wasser gewöhnen. Dadurch gewinnen die Trainer wertvolle Zeit für die eigentliche Schwimmausbildung.
Im tiefen Wasser bietet die Poolnudel Schwimmanfängerin Malea Sicherheit. Foto: Gettkowski
Im tiefen Wasser bietet die Poolnudel Schwimmanfängerin Malea Sicherheit. Foto: Gettkowski

Weil Hallen- und Freibäder coronabedingt geschlossen waren, fiel der Schwimmunterricht an den Schulen und in den Vereinen monatelang ins Wasser. Seitdem die Bäder wieder öffnen dürfen, gibt es einen riesigen Ansturm auf Schwimmkurse, weil der Nachholbedarf enorm ist. „Die Nachfrage nach Kursen ist gigantisch“, sagt Markus Bakker vom Friesenbad Weener. Sämtliche Kurse, die im Friesenbad bis zum Saisonende Mitte September angeboten werden, seien innerhalb einer Woche ausgebucht gewesen.

Mehr ältere Schwimmanfänger

Es seien auffällig viele Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren darunter – also Kinder, die normalerweise im Schwimmunterricht der Grundschule das Schwimmen lernen. „Die Seepferdchenkurse machen wir jetzt immer zu zweit“, erzählt Bakker. Dadurch können zwölf bis 15 Kinder bei einem Kursus mitmachen. Bei einem Trainer ist die Teilnehmerzahl auf maximal zehn begrenzt. Auch die Anzahl der Kurse wurde erhöht. Und trotzdem kommen nicht alle Kinder zum Zuge.

Bei Sprüngen vom Startblock gewöhnen sich die Kinder daran, mit dem ganzen Körper ins Wasser einzutauchen. Foto: Gettkowski
Bei Sprüngen vom Startblock gewöhnen sich die Kinder daran, mit dem ganzen Körper ins Wasser einzutauchen. Foto: Gettkowski
Genau hier setzt die Idee des Landesverbandes der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG) an. „Viele Kinder waren noch nie in einem Schwimmbad und haben regelrecht Panik im Wasser“, erzählt Dita Watermann, die bei der DLRG-Ortsgruppe Weener aktiv ist und an der Grundschule Weener gemeinsam mit Annegret Peters Wassergewöhnung anbietet. Die Kinder müssten erstmal die Angst vorm Wasser überwinden. Während der Wartezeit auf einen Schwimmkursus können Eltern hier wertvolle Vorarbeit leisten, erklärt Ulf Maier, stellvertretender Leiter des Bereichs Ausbildung beim DLRG-Landesverband.

Wassergewöhnung in der Badewanne

Kinder, die in der heimischen Badewanne das Eintauchen des Kopfs unter Wasser schonmal ausprobiert haben, brauchen können die Lernphase im Schwimmkursus überspringen. Foto: Gettkowski
Kinder, die in der heimischen Badewanne das Eintauchen des Kopfs unter Wasser schonmal ausprobiert haben, brauchen können die Lernphase im Schwimmkursus überspringen. Foto: Gettkowski
Für die spielerische Wassergewöhnung zu Hause eignet sich der kleine Pool im Garten ebenso wie die Badewanne. „Die Kinder können wie beim Haareauswaschen mit dem Kopf unter die Wasseroberfläche tauchen“, nennt Maier ein Beispiel. Viele Kinder hätten Spaß daran, unter Wasser Luft auszupusten und die blubbernden Blasen zu beobachten. Spielerisch anfangen kann man mit einem Strohhalm oder mit einem Trichter. „Auch das Öffnen der Augen unter Wasser kann man in der Badewanne schon mal üben.“ Beim Auftauchen müssen die Kinder sagen, welche Gegenstände sie auf der Grund der Badewanne gesehen haben.

Markus Bakker, Meister für Bäderbetriebe im Friesenbad, arbeitet bei den Schwimmkursen in diesem Jahr immer mit einem Kollegen oder eine Kollegin zusammen. Dadurch können mehr Kinder teilnehmen. Foto: Gettkowski
Markus Bakker, Meister für Bäderbetriebe im Friesenbad, arbeitet bei den Schwimmkursen in diesem Jahr immer mit einem Kollegen oder eine Kollegin zusammen. Dadurch können mehr Kinder teilnehmen. Foto: Gettkowski
„Das Ziel des Homeswimming ist, die Phase der Wassergewöhnung in der Schwimmanfängerausbildung auf ein Minimum zu beschränken“, erklärt der Ausbilder. Dadurch könnten in den Kursen bis zu fünf Ausbildungsstunden eingespart werden. Die Phasen der Wassersicherheit und Vermittlung erster Schwimmtechniken könnten dadurch früher beginnen. „Kurslaufzeiten können reduziert werden und es können mehr Kinder an Schwimmkursen teilnehmen.“

Durch die in der Corona-Zeit entstandenen Defizite sei das aus Sicht der DLRG dringend erforderlich. Denn die Schwimmfähigkeit der Kinder nimmt weiter ab. „Schon vor dem Ausbruch der Pandemie waren 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer“, sagt Maier und bezieht sich dabei auf das Ergebnis einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017. Als sichere Schwimmer gelten Kinder erst, wenn sie das Schwimmabzeichen in Bronze abgelegt haben. „Beim Seepferdchen ist also noch nicht Schluss.“

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