Kriminalität
Polizei stoppt international agierende Schleuser in Leer
Allein in Leer hat es am Mittwochvormittag neun Razzien der Bundespolizei gegeben. Im Visier hatten die Ermittler den mutmaßlichen Kopf einer Schleuser-Bande, die ihren Sitz in Ostfriesland hat.
Sie sollen über die Balkan-Route, die Niederlande und andere europäische Länder Syrer nach Deutschland geholt haben. Die Organisation sei allerdings auch in anderen Länder aktiv gewesen, sagt Löning. „Da war die Bande sehr serviceorientiert.“ Pro Person seien dafür „bis zu 10.000 Euro verlangt“ worden, so Löning. Wie viele Menschen eingeschleust worden sind, sagt Löning auf Nachfrage nicht. „Wir wissen von 20 Schleusungshandlungen, bei denen aber jeweils mehr als eine Person ins Land gekommen sein kann“, so der Bundespolizei-Sprecher. Dazu dauerten die Ermittlungen an. Diese hätten im März begonnen, sagt er.
Neun Razzien allein in Leer
An dem Großeinsatz am Mittwochvormittag seien 260 Beamte im Einsatz gewesen, fast ausnahmslos der Bundespolizei. Zwei Einsatzkräfte der Landespolizei hätten ihre Kollegen unterstützt. An neun Orten im Leeraner Stadtgebiet fanden Razzien statt – zu den genauen Orten macht Löning keine Angaben. Informationen der Redaktion zufolge hat es unter anderem Einsätze in der Friesenstraße, am Haderwykensteg, in der Saarstraße und in Loga gegeben. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Laut Löning hat es auch Durchsuchungen in Warsingsfehn in der Gemeinde Moormerland und in Schweich in Rheinland-Pfalz gegeben.
Die Bundespolizei wertet die Durchsuchungen und die Festnahme des mutmaßlichen Drahtziehers als Erfolg. „Wir haben das Geschäftsmodell der Bande erst einmal gestoppt – das ist zweifellos eine sehr gute Nachricht“, sagt Löning. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit der Auricher Staatsanwaltschaft, die dazu geführt habe, dass in nur wenigen Monaten ein solch schlagkräftiger Einsatz gegen die organisierte Kriminalität habe auf die Beine gestellt werden können. Weder Einsatzkräfte noch Beschuldigte seien am Mittwoch zu Schaden gekommen, sagt der Pressesprecher. „Im Grunde sind wir unkompliziert rein und wieder raus.“
„Viele teure Autos“ auf dem Hof
In Leer haben die vielen Einsatzkräfte dennoch viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen – unter anderem beim Ehepaar Birgit und Pascal Burger: „Um 6 Uhr ging es los, da klirrten die Scheiben, als die Polizei die Wohnungen gestürmt hat“, sagt Birgit Burger, die in unmittelbarer Nähe eines der Einsatzorte wohnt. Der Einsatz habe bis „ungefähr 11 Uhr“ gedauert. Über die Nachbarn, deren Wohnung durchsucht wurde, sagt sie: „Vor ein oder zwei Jahren sind sie eingezogen – aber sie waren eigentlich immer für sich und haben keinen Kontakt zugelassen.“ Meistens habe man nur die „vielen teuren Autos“ vom Hof fahren sehen. Auch weitere Anwohner berichten, dass sie von ihren Nachbarn wenig bis nichts mitbekommen hätten. „Höchstens mal ein Husten“, sagt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte.
Das Hauptziel des Einsatzes seien die Festnahme des mutmaßlichen Kopfes und die Sicherstellung von Beweismaterial gewesen, sagt Löning. Als sogenannten Beifang seien die Einsatzkräfte außerdem auf eine „geringe Menge Drogen“ gestoßen. „Die haben wir natürlich auch mitgenommen – wir können sie ja schlecht dalassen“, sagt der Pressesprecher. Die gesammelten Beweise würden nun ausgewertet, darunter seien auch Datenträger.
Gegen den mutmaßlichen Kopf der Bande liegt ein Haftbefehl vor, weswegen dieser voraussichtlich erst einmal nicht wieder freikommen wird. Bei den anderen Verdächtigen sieht das anders aus: Diese sind laut Löning zwar zur Befragung mit auf die Dienststelle genommen worden. Nach den Vernehmungen würden sie aber wieder auf freien Fuß gelassen.