Kolumne: Alles Kultur

Wie füllt man die leeren Sitzbänke?

Annie Heger
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Von Annie Heger
| 28.06.2021 08:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Montags geht es immer um Kultur.

In Deutschland glauben genauso viele Menschen an die Auferstehung Christi wie an Horoskope. Was ich damit sagen will: Menschen sind auf einer extremen Suche nach Spiritualität, und das in alle Richtungen. Wir sind frei, zu glauben – an was auch immer oder eben an rein gar nichts –, und da müssen Kirchen, Religionen und Glaubensgemeinschaften sich anstrengen, attraktiv zu sein und auf die Menschen in irgendeiner Weise einen Sog auszuüben.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, haben sich in der Vergangenheit einige Kirchen nicht gerade mit Ruhm bekleckert und mit ihrer Einmischung in Politik, Ausnutzung ihrer patriarchalen Machtstrukturen und der nicht vorhandenen Anerkennung der Liebe zweier Menschen, die nicht in ihr Weltbild passt, ihren potenziellen Schäfchen nicht das Gefühl gegeben, willkommen zu sein.

Ja, ich bin Christin, Protestantin, fühle mich wohl in meiner Gemeinschaft, bin aber auf dem konfessionellen Auge nicht blind und sehe auch die leeren Kirchenbänke. Als jemand, die täglich versucht, die Theater-Sitzreihen zu füllen, ahne ich, dass Kultur genau dafür auch in Kirchen das beste Werkzeug sein kann. Ja, „Großer Gott wir loben Dich“ und eine majestätisch gespielte Orgel lassen auch mein Herz aufgehen, doch löst das nicht unbedingt eine Anziehungskraft auf alle aus und wirkt etwas aus der Zeit gefallen.

Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass es das gar nicht mehr im Gottesdienst geben sollte. Nur hier und da bedarf es vielleicht einer Aufpeppung. Kultur und Kirche können sich gegenseitig bereichern. Beide können uns, wenn sie sich öffnen, riesige Geschenke machen: Sie zeigen uns, wer wir sind, wo wir herkommen, zu wem wir gehören. Wie ich überhaupt auf die Kolumne gekommen bin? Ich habe auf Instagram ein Bild von einem Poledancer im Gottesdienst gesehen. Es sah so selbstverständlich aus und unfassbar ästhetisch. Den Gottesdienst hätte ich definitiv besucht – egal, zu welcher Glaubensrichtung die Kirche gehört. Allein schon wegen der Predigt dazu.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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