Wirtschaft

WEC Turmbau in Emden droht erneuter Stellenabbau

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 21.06.2021 18:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Kurz nach der Übernahme des Emder Unternehmens WEC Turmbau durch die Hildesheimer Bettels-Gruppe stehen Kurzarbeit und Jobabbau im Raum. Erste Gespräch sollen in Kürze starten.

Emden - Direkt nach der Übernahme des Emder Betonteile-Herstellers WEC Turmbau durch die Hildesheimer Hermann-Bettels-Gruppe stehen Kurzarbeit und ein Stellenabbau im Raum. Knut Bettels, geschäftsführender Gesellschafter der neuen Eigentümer, sagte auf Nachfrage: „Wir haben einen tollen Standort, wir haben tolle Mitarbeiter und wir haben viel Potenzial. Aber wir haben noch viel zu wenig Drittgeschäft, und das Unternehmen ist viel zu niedrig ausgelastet.“

Seit dem Stellenabbau vor etwa drei Jahren, als in etwa die Hälfte der seinerzeit noch mehr als 350 Mitarbeiter gehen musste, bestehe die verbliebene Belegschaft je zur Hälfte aus Verwaltung und Produktion. „Ich habe dem Betriebsrat bereits gesagt, dass aus meiner Sicht der Wasserkopf deutlich zu groß ist. Aber auch im gewerblichen Bereich passt einiges nicht zur aktuellen Auftragslage“, sagte Bettels.

„Fair und partnerschaftlich einen guten Weg finden“

Schon in dieser Woche wird es erste Gespräche über einen möglichen Sozialplan zwischen Bettels sowie dem Betriebsrat geben, bestätigen die Beteiligten. Zu einer möglichen Größenordnung äußerte Bettels sich nicht. Im Raum steht nach Informationen unserer Redaktion ein Viertel der Jobs: annähernd 50. „Ich will hier von vornherein mit offenen Karten spielen, die Dinge klar und offen ansprechen und keine Salamitaktik“, sagte Bettels. Seine Unternehmensgruppe sei mehrfach durch Übernahmen insolventer und kriselnder Betriebe gewachsen. „Alle Betriebe haben sich sehr erfolgreich entwickelt. Genau das wollen wir auch bei WEC Turmbau, aber dafür muss man ehrlich ansprechen, wo es nicht läuft und nicht stimmt“, sagte Bettels. Er wolle „fair und partnerschaftlich einen guten Weg finden“.

„Enercon stiehlt sich aus der Verantwortung“

Die IG Metall schießt in diesem Kontext gegen den Windkraftanlagenhersteller Enercon, in dessen Konzerngeflecht WEC Turmbau sich befand, wenngleich offiziell als unabhängiger Zulieferer. „Erst wird der Verkauf besiegelt und dann wird die Belegschaft mit einer Sanierung konfrontiert. Enercon stiehlt sich aus der Verantwortung, so geht man nicht mit seinen Beschäftigten um“, sagte Geschäftsführerin Franka Helmerichs. Wut und Enttäuschung unter den Mitarbeitern seien groß. Für die Gewerkschaft stehe jetzt die Sicherung der Jobs an erster Stelle.

Weil es sich hier um eine Übernahme der Gesellschaftsanteile durch Bettels von den niederländischen Vorbesitzern Tore Productie B.V. handelt, gelten rechtlich auch nicht die sonst üblichen Schutzfristen, wonach Vertragsbedingungen nicht vor Ablauf eines Jahres nach dem Zeitpunkt des Übergangs zum Nachteil von Arbeitnehmern geändert werden dürfen.

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