Kolumne: Alles Kultur

Richtig deep ins Herz

Annie Heger
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Von Annie Heger
| 31.05.2021 09:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Zu Wochenbeginn geht es immer um Kultur.

Ja, auch in mir gibt es Themen, da bin ich stur. Momentan läuft die achte Staffel „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“. Dieses Fernsehformat begeistert mich seit 2014. Musiker*innen, die voller Wertschätzung für die Kunst der anderen einen Abend mit Musik, Getränken, Tränen, Umarmungen und ihren Lebensgeschichten verbringen. Die neuinterpretierten Lieder beeindrucken mich sehr und manch poetische Textdichtung lässt mich demütig werden. Und dann kommt für mich die große Enttäuschung: In den Gesprächen dazwischen ist all die Eloquenz wie verpufft.

Zur Person

Annie Heger (37), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des PLATTart-Festivals. Ihre aktuelle CD, erschienen im Label Kosmopolit Records, heißt „Bethlehem“.

„Krass, voll mega die Emotions. Alter, bin ich happy und die Appreciation von euch ist einfach, wow...echt nice.“ Der Bruch zwischen Poesie und scheinbar aufgesetzter Lässigkeit ist mir so extrem aufgestoßen, dass ich kopfschüttelnd vor dem Fernseher saß und es mir schwerfiel, das Gesagte ernst zu nehmen. Mir geht es hier gar nicht um den eventuell inflationären Gebrauch von Anglizismen. Es gibt in unserer Sprache englische Begriffe, die nicht wegzudenken sind und sich in einer Rückübersetzung ins Deutsche nicht durchgesetzt haben. So wie zum Beispiel Team, Lockdown oder Airbag. Auch im Plattdeutschen lehne ich für Dinge Übersetzungen ab, die auch im Hochdeutschen eine englische Bezeichnung tragen. Bei mir bleibt der Laptop ein Laptop und wird nicht zum „Klappreekner“. Aber hier werden keine Anglizismen benutzt, sondern wahllos jedes dritte Wort ins Englische übersetzt. Warum?

Sprache entwickelt sich weiter, das ist unaufhaltsam und das ist gut. Denn sie ist eine Dienerin unserer Verständigung und bildet gesellschaftliche Entwicklungen ab. Manche Entwicklungen gefallen mir nicht und lösen sogar politische Debatten aus. Das, was mich vor dem Fernseher zum Kopfschütteln gebracht hat, ist, dass sie durch ihre Dichtkunst bewiesen haben, dass sie in der Lage sind, mehr als nur Dreiwortsätze auf Deutsch zu bilden. Also, ihr lieben Pop-Poet*innen da draußen: Spielt mit unserer Sprache, sie ist so wunderschön, dann erreicht ihr mein Herz und meine Seele auch so richtig...deep.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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