Großer Bedarf bis 2040 In Papenburg fehlen Wohnungen – vor allem für Ü65-Singles
Laut aktuellen Prognosen könnten bis zum Jahr 2040 bis zu 42.000 Menschen in Papenburg wohnen. Deshalb benötigt die Stadt weiteren Wohnraum. Folgende Baugebiete sind geplant.
Papenburg - Papenburg wächst und dürfte in absehbarer Zeit die Marke von 40.000 Einwohnern knacken. Deshalb braucht die Stadt weiteren Wohnraum. Die Verwaltung erklärt, wie sie ein ehrgeiziges Ziel bis 2040 erreichen will und wo bis dahin neues Bauland entstehen soll. 1617 – das ist die exakte Anzahl neuer Wohnungen, die in den kommenden 16 Jahren in Papenburg geschaffen werden soll beziehungsweise muss. So jedenfalls steht es im Wohnraumversorgungskonzept der Stadt, das 2017 erstmals erstellt und nun erstmals überarbeitet worden ist.
Anlass dafür ist eine Anforderung der Landesförderbank (N-Bank). Nur mit einem aktuellen Konzept kann die Verwaltung nach eigener Darstellung in den Genuss einer finanziellen Förderung von Mietwohnungen kommen. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung im Campus erläuterte Christian Strentzsch, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung, wo und wie in der Stadt neuer Wohnraum generiert werden soll. Zudem zeigte er anhand des Konzeptes auf, für welche Wohnungstypen der Bedarf am größten ist.
Anteil leerstehender Wohnungen in Papenburg „gleich Null“
Bezogen auf Letzteres müssten in Papenburg bis 2040 allein mehr als 800 Single-Wohnungen für Über-65-Jährige entstehen. Mehr als 400 wären es für kinderlose Paare, rund 300 für Paare mit Kindern und etwa 100 für Alleinerziehende.
Der Anteil leerstehender Wohnungen in Papenburg ist laut Konzept zurzeit gleich Null. „Diese quasi nicht vorhandene Leerstandsquote verdeutlicht den angespannten Wohnungsmarkt in Papenburg“, heißt es. Und doch sieht sich die Stadt in Sachen Wohnraumbedarf nicht am Anfang eines langen Weges. Strentzsch präsentierte eine Liste der aktuellen (auch privatwirtschaftlichen) Entwicklung von Bauland in Papenburg. Demnach kommt die Stadt auf insgesamt 1057 voraussichtliche Wohneinheiten. Die Baugebiete, ihr gegenwärtiger Status und die geplante Anzahl an Wohneinheiten (WE) im Überblick:
- Hermann-Anton-Straße (Aschendorf), Vermarktung, 31 WE
- Lange Straße/Bülte (Aschendorf), Vermarktung, 19 WE
- Alte Stadtgärtnerei/Emdener Straße (Untenende), Vermarktung, 31 WE
- Nostenbusch III (Untenende), Vermarktung, 70 WE
- Raiffeisenstraße (Aschendorf), in Vorbereitung, 20 WE
- Dorfstraße/Kleine Noog (Tunxdorf), Bewerbung, 18 WE
- Nördlich Herzogstraße II (Herbrum), Bewerbung, 20 WE
- Südlich Helmingstraße (Aschendorfermoor), Bewerbung, 11 WE
- Wohn- und Pflegequartier der Firma Emsleben (Waldseestraße, Aschendorf), Entwurf, 41 WE
- Altes Bauhof-Areal (Gutshofstraße, Untenende), Aufstellung, 48 WE
- Bethlehem, Splitting, Rheiderlandstraße II (Obenende), Aufstellung, 349 WE
- Wichernstraße (Baugenossenschaft, Untenende), Aufstellung, 282 WE
- Kapitän-Lammers-Straße (Untenende), Aufstellung, 30 WE
- Westlich Draiberg (Aschendorf), Aufstellung, 25 WE
- Bolwinsweg (Obenende), Aufstellung, 60 WE
- Liebigstraße (Obenende), Aufstellung, 2 WE
Strentzsch will den Gesamtbedarf keineswegs „schönrechnen“, wie er betonte. 1617 neue Wohnungen blieben „eine beachtliche Zahl“. Und doch habe Papenburg perspektivisch 1057 neue Wohnungen zu bieten.
Prognose: Bis 2040 hat Papenburg knapp 42.000 Einwohner
Prognosen zufolge werden in der Fehnstadt 2040 knapp 42.000 Menschen leben. Strentzsch geht davon aus, dass die 40.000er-Marke 2025 fällt. Wesentliche Faktoren steigender Einwohnerzahlen sind laut Konzept Zuzüge von Werkvertragsarbeitern (Meyer Werft, Gartenbaubetriebe) aus dem Ausland. Hinzu kommen Zuzüge aus dem regionalen Umland sowie Asylsuchende. 2005 hatte Papenburg noch weniger als 35.000 Einwohner, 2022 rund 38.600.
Diese lebten in besagtem Jahr in 18.315 Wohnungen. Bei gut der Hälfte (53 Prozent) davon handelte es sich Strentzsch zufolge um Einfamilienhäuser. Vier von zehn dieser Häuser seien allerdings vor 1989 errichtet worden. Sie hätten also entsprechenden Bedarf in Sachen energetischer Sanierung und Barrierefreiheit.
Von 2009 bis 2022: So stiegen Mieten und Kaufpreise in Papenburg
Das Wohnraumversorgungskonzept, das in Gänze seiner knapp 70 Seiten auf papenburg.de hinterlegt ist, offenbart überdies eine Reihe weiterer Zahlen und Entwicklungen. So stieg beispielsweise die durchschnittliche Nettokaltmiete von knapp fünf Euro (2009) auf etwas mehr als acht Euro (2022).
Die Kaufpreise für Ein- beziehungsweise Zweifamilienhäuser stiegen im selben Zeitraum im Schnitt von 150.000 auf 320.000 Euro. Unterdessen haben sich die Preise für Eigentumswohnungen nahezu verdreifacht (von gut 1000 auf knapp 3000 Euro pro Quadratmeter).
Für die SPD hat „bezahlbarer Wohnraum“ oberste Priorität
Die CDU-Fraktion sieht sich unverändert darin bestätigt, dass auf die Schaffung von neuem Wohnraum absolute Priorität gesetzt werden müsse. „Das zeigen diese Zahlen endgültig“, stellte Ausschussmitglied Heiner Hanneken fest.
Für die SPD macht Stadtratsfraktionsvorsitzender Ludger Husmann in einer Pressemitteilung deutlich, „dass bei uns bezahlbarer Wohnraum ganz vorne steht“. Dennoch werten die Sozialdemokraten das Konzept als vielversprechend und schlagen vor: „Warum auch nicht mal in die Höhe gehen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wo eine mehrstöckige Bauweise an den richtigen Orten möglich ist“. Bei Sozialwohnungen ist die Nachfrage dem Konzept zufolge derzeit in etwa doppelt so hoch wie das Angebot. Der Ausschuss votierte ohne Gegenstimme (bei einer Enthaltung durch Ulli Nehe/CDU) für das Konzept. Zum bindenden Beschluss vorgelegt wird es dem Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 7. März 2024, ab 17 Uhr in der Stadthalle.