Berlin Im Fall Maximilian Krah gibt es keine Alternative für Deutschland
Die AfD will ihren Spitzenkandidaten Maximilian Krah für die Europawahl wegen des Spionageskandals am liebsten verstecken. Doch das reicht nicht. Es gibt da keine Alternative, nur eine vernünftige Lösung.
Die AfD, die sich selbst gerne als Anwalt für Anstand und Sicherheit geriert, wird mitten im Europawahlkampf gleich von zwei Skandalen erschüttert, die Sprengstoff in sich bergen.
Zufall? Oder ein Beleg dafür, dass die Alternative für Deutschland in Wahrheit ein Risiko für Anstand und Sicherheit ist? Eines ist diese Affäre jedenfalls nicht: eine Schmutzkampagne der Medien. Das scheinen selbst Alice Weidel und Tino Chrupalla einzusehen.
Allerdings ist das Krisenmanagement der AfD-Spitze auffallend schwach. Statt klare Kante zu zeigen, soll Krah nicht mehr beim Wahlkampfauftakt der Partei auf der Bühne auftreten. Wollen Weidel und Chrupalla den Spitzenkandidaten vor den Wählern also wirklich wochenlang verstecken? Sieht so Führungsstärke aus? Nein, das ist Führungsschwäche von besonderem Ausmaß. Ein Festhalten an Krah wird der Partei schwer schaden.
Mit seinen ausländer- und frauenfeindlichen Aussagen war Krah für die Partei ohnehin eine tickende Zeitbombe. Jetzt gibt es keine Alternative: Der Rechtsaußenpolitiker sollte selbst seinen politischen Rückzug erklären und de facto als Spitzenkandidat zurücktreten, auch wenn die EU-Wahlliste kaum noch zu ändern ist.
Dass der AfD-Spionageskandal ausgerechnet in das Umfeld des 50. Jahrestags der Affäre um Günter Guillaume fällt, sollte niemanden zu anstrengenden Vergleichen verleiten. Zur Erinnerung: Willy Brandt trat als Bundeskanzler zurück, nachdem sein enger Mitarbeiter als DDR-Spion enttarnt worden war. Doch Brandt war ein Staatsmann von einem politischen Format, das ein Rechtsaußen wie Krah niemals erlangen wird. Ein Vergleich, man muss es so deutlich sagen, stellt im Grunde eine Beleidigung für den Altkanzler dar.