Gesundheitspolitik  Klinik-Aus in Friesoythe hätte Folgen für 50.000 Menschen

Claudia Wimberg
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Von Claudia Wimberg
| 05.11.2023 12:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hörte zu und informierte sich: Christian Dürr, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion (links), traf sich im Beisein der niedersächsischen Generalsekretärin Imke Haake (Dritte von links) und des Friesoyther Liberalen Heiner Schütte (Zweiter von rechts) mit den Krankenhausgeschäftsführern Nadine Krefeld und Bernd Wessels. Foto: Claudia Wimberg
Hörte zu und informierte sich: Christian Dürr, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion (links), traf sich im Beisein der niedersächsischen Generalsekretärin Imke Haake (Dritte von links) und des Friesoyther Liberalen Heiner Schütte (Zweiter von rechts) mit den Krankenhausgeschäftsführern Nadine Krefeld und Bernd Wessels. Foto: Claudia Wimberg
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Die Geschäftsführer des St. Marien-Hospitals in Friesoythe informierten liberale Politiker angesichts der geplanten Krankenhausreform über ihren Standort. Sie sehen den ländlichen Raum benachteiligt.

Friesoythe. - Der Kampf ums Überleben resultiert aus einem kranken Gesundheitssystem und ist nicht neu. Zum Todesstoß, den viele Kliniken aufgrund eines finanziellen Kollaps bereits erleiden mussten, soll es beim Friesoyther St. Marien-Hospital jedoch nicht kommen. Inwieweit die vom Bundesgesundheitsministerium geplante Krankenhausreform zur Genesung beiträgt, bleibt abzuwarten. Nach Ansicht der Verantwortlichen soll sie unter anderem durch Vorhalte- statt Fallpauschalen Existenzen sichern und „die richtigen und notwendigen Kliniken retten“.

Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion zu Gast

Für die Friesoyther Geschäftsführer Nadine Krefeld und Bernd Wessels zählt ihr Standort in jedem Fall dazu und beide nutzen jede Gelegenheit, bei Politikern auf allen Ebenen Überzeugungsarbeit zu leisten. Jüngster Gast war Christian Dürr, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion aus Ganderkesee, der auf Initiative des Friesoyther Liberalen Heiner Schütte mit der niedersächsischen Generalsekretärin Imke Haake bei seinem Besuch in erster Linie zuhörte. „Wie schwer das Leben ist, wissen Sie“, betonte Krefeld und erinnerte den Abgeordneten an seinen Appell während seiner letzten Visite vor zwei Jahren: „Friesoythe sollte Schule machen.“

Gemeint sind die Schwerpunkte Geriatrie, das Adipositas-Zentrum Nord-West sowie die Suchtmedizin als Spezialisierungen. Ein Konzept, „das auch in Zukunft tragfähig ist“, so die Geschäftsführerin, die danach nachdrücklich erläuterte, was eine Schließung für die Region bedeute: „Knapp 50.000 Menschen müssten länger als 30 Minuten fahren, um ein Krankenhaus der Grundversorgung zu erreichen.“

Entscheidungen am Grünen Tisch kontraproduktiv

Die Tatsache, dass es zu viele Kliniken und zu wenig Personal gebe, sei nicht wegzudiskutieren, somit könnten nicht alle Bestand haben. Doch Entscheidungen lediglich am „Grünen Tisch“ zu treffen, sei mehr als kontraproduktiv, unterstrich Wessels. Angesichts der anvisierten Qualitätsstandards beispielsweise für eine zentrale Notaufnahme könne kein ausreichend qualifiziertes Personal 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung stehen. Und vor allem „gibt es weder Bedarf, noch Arbeit für solch einen Stellenaufbau“, kritisierte Krefeld. St. Marien sei ein Grund- und Regelversorger und könne nicht hochkomplexe Leistungen eines Maximalversorgers anbieten, „um an Vergütungen zu gelangen“, ergänzte Wessels. Man werde den Eindruck nicht los, als würden diejenigen unterstützt, die das größte Defizit verursachten. Zu hinterfragen ist nach Meinung der Doppelspitze auch der mit bundesweit 2500 Ärzten besetze Medizinische Dienst. „Bei aller Notwendigkeit gehen bei dieser Größe viele Mediziner den Krankenhäusern verloren.“ Hinzu kommen immer mehr Regeln, höhere Ansprüche und eine zusätzliche Dokumentationspflicht.

Vor allem Großstädter in Kommission

Kein Verständnis haben sie auch für die Zusammensetzung der Regierungskommission. 17 Mitglieder aus Großstädten, die sich im Zuge der Reform mit einem Selbstverständnis und aus Eigeninteresse auf Großstadtstrukturen konzentrierten. Mit dem ländlichen Raum „hat das allerdings nichts zu tun.“ Eine große Klinik sei nicht gleich eine sehr gute, zeigt sich das Führungsduo überzeugt und spricht sich für umsetzbare Ausnahmeregelungen für die Bundesländer aus, „damit 23 Prozent der Deutschen, die nicht in Städten wohnen, ebenfalls eine gute stationäre Versorgung erhalten.“

Christian Dürr weiß um die „gigantischen Mehrbedarfe in Deutschland und um den Anspruch, „Patienten bestmöglich zu versorgen und nicht den Aktenordner.“ Was die Qualität anginge, bräuchte Friesoythe keine Zukunftssorgen zu haben, aber angesichts urbaner Systeme blieben die Herausforderungen groß. „Wie kriegen wir es hin, die Zukunft so zu messen, dass alles auf qualitative Effizienz ausgerichtet ist“, formulierte er als die für ihn entscheidende Frage. Eine Antwort darauf erhielt er von seinen Gastgebern sofort: „Mit Verstand planen.“

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