Saterland-Barßel

Saterland/Berlin
15.01.2013

Sprachenschutz: „Wir sind auf gutem Weg“

Die Mitglieder des Minderheitenrates nach der Eröffnung der Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin: Unter ihnen war auch Karl-Peter Schramm aus Scharrel (3. von links). Bild: privat
Die Mitglieder des Minderheitenrates nach der Eröffnung der Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin: Unter ihnen war auch Karl-Peter Schramm aus Scharrel (3. von links). Bild: privat

Von Jana Köhler

Karl-Peter Schramm aus Scharrel war ein Jahr lang Vorsitzender des Minderheitenrates in Deutschland. Eine Sonderbehandlung für die Saterfriesen hat er in seiner Amtsperiode nicht herausgeschlagen – aber eine Gleichstellung mit den anderen anerkannten Minderheiten.

Saterland/Berlin - Ein Jahr lang stand der Scharreler Karl-Peter Schramm für die Saterfriesen an der Spitze des Minderheitenrates in Deutschland. Zum Jahresende hat er seinen Vorsitz abgegeben – an Dieter Küssner von der dänischen Minderheit. Der Vorsitz rotiere jahresweise, damit „keine Minderheit benachteiligt wird“, sagt Schramm, der als Chef des Rates ein „Gleicher unter Gleichen“ war. Gleichgestellt sind die vier anerkannten Minderheiten in Deutschland – die Dänen, Friesen, Sorben sowie die Sinti und Roma –, doch keinesfalls gleich. Die Saterfriesen, die formal zu den Friesen zählen, sind die mit Abstand kleinste Minderheit. Schätzungsweise nur noch etwa 2000 Menschen im Saterland sprechen Saterfriesisch, die letzte verbliebene Varietät der alten ostfriesischen Sprache.

Als „Gleicher unter Gleichen“ hat Schramm für die Saterfriesen im Vorjahr keine Sonderbehandlung herausgeschlagen. Doch kann der Saterländer behaupten, dass es dem Minderheitenrat inzwischen generell gelungen ist, sich in Berlin Gehör zu verschaffen. Und ihm sei es in dem Gremium geglückt, sich ein- und durchzusetzen, dass die Saterfriesen nicht schlechter gestellt sind als die anderen Minderheiten. Vor ein paar Jahren, als die kleinste Sprachinsel Europas in Berlin kaum jemand kannte, sei das anders gewesen. „Bisher hat es kaum staatliche Unterstützung gegeben“, sagt der 64-Jährige und formuliert es noch drastischer: „Wenn es so weiter gegangen wäre wie bisher, wäre die saterfriesische Sprache dem Tode geweiht.“

Inzwischen hätten Berlin und Hannover indes erkannt, wie wichtig es ist, in den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Sprache zu investieren. Schramm nennt beispielhaft das Modellprojekt zur frühen Mehrsprachigkeit, im Saterland, für das nach langem Kampf Geld fließe, und die Dachsanierung beim „Seelterfräiske Kulturhuus“.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Dienstag, 15. Januar, im General-Anzeiger.

Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel

Sie können maximal 1500 Zeichen eingeben.

Die Online-Angebote der Zeitungsgruppe Ostfriesland

© ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH - Made with newsdirect