Oberledingerland

Rhauderfehn

73-Jährige kämpft für Hunde und Katzen in Not

Ursula Cassens mit „Anna“, die ihre Besitzerin verloren hat und nun bei der Collinghorsterin ihr Gnadenbrot bekommt. Bild: Janßen

Von Marion Janßen

Noch mit 73 Jahren kämpft die Collinghorsterin Ursula Cassens für Hunde und Katzen in Not. Die Arbeit für die „Notfelle“ prägte schöne und schlimme Zeiten in ihrem Leben.

Ganz dringend gesucht: Domizil für Tiertafel

Wenn die Rente nicht reicht oder jemand den Job verliert und das Geld knapp wird, soll das geliebte Haustier nicht auf der Strecke bleiben. Die Tiertafel, die Ursula Cassens mit Wera Klein und weiteren Mitstreitern gründen will, soll dann helfen: mit Futterspenden.

Die Vorbereitungen laufen, aber: Gesucht wird ganz dringend ein Domizil für die Tiertafel, wo das Futter herausgegeben werden kann. „Ich habe schon viel herumgefragt. Bislang ohne Erfolg“, so Cassens. Ideal wäre ein leerstehender Büro- oder Verkaufsraum, eine große Garage oder ähnliches. „Wir können einen Obolus zahlen, aber nicht serh viel, denn wir sind ja alle Ehrenamtler, und die Tafel lebt von Spenden“, so Cassens.

Wer einen Raum bereitstellen kann, möge sich bei Ursula Cassens, Tel. 04952/ 897700, melden.

Rhauderfehn - Die Tür zum Flur ist geschlossen. Dahinter tobt das Rudel: ein gutes Dutzend Hunde in allen Größen jault, bellt, poltert. Ursula Cassens steht auf, klopft an die Tür und ruft „Ruhe jetzt. Mutti möchte sich unterhalten.“ Wenn Gäste da sind, haben die Vierbeiner nichts in der guten Stube zu suchen. Das wissen die auch und sind jetzt mucksmäuschenstill, für die nächste Viertelstunde. Cassens schenkt Kaffee nach: „Ja, die Tiere. Die sind mein Leben.“

Seit mehr als 20 Jahren ist die Collinghorsterin im Tierschutz aktiv. In dieser Branche ist sie, das darf man sagen, ein Hansdampf in allen Gassen. Noch heute schlägt sich die 73-Jährige halbe Nächte um die Ohren, wenn es gilt, zu einem Notfall zu eilen oder verwilderte Kätzchen einzufangen, damit sie kastriert werden können. Noch immer vermittelt sie Hunde aus Spanien, nimmt „Notfelle“ in Pflege, wenn es sein muss dauerhaft.

Tiere haben sie immer begleitet

Tiere haben sie durch die schönen Zeiten ihres Lebens begleitet und ihr durch die schlimmen hindurchgeholfen. Von Beidem hatte Cassens ihren Teil. Geboren ist sie in Liebenau im Kreis Nienburg, aufgewachsen in Wanne-Eickel. Später zog sie mit ihren Eltern nach Bollingen. Die Familie ihrer Mutter stammt aus dem Kreis Cloppenburg.

Ursula Cassens machte eine Ausbildung zur Krankenschwester, arbeitete in Leer, Westerstede, Barßel und dem Rhauderfehner Reilstift. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete sie erneut und arbeitete in der KFZ-Werkstatt Cassens (heute Mansen) ihres zweiten Mannes mit. Nebenbei übernahm sie noch Nachtwachen und ähnliches in den Krankenhäusern.

Ihr Einsatz für Tiere begann 1995 in Spanien

„2001 sind mein Mann und ich in den Ruhestand gegangen“, sagt Cassens und wird vom Telefon unterbrochen: Ein kleiner Notfall. Jemand muss für ein paar Tage weg, hat niemanden, der sich um den Hund kümmern kann. „Wir sind keine Tierpension, aber wenn jemand keine andere Option hat, dann helfe ich schon mal aus“, sagt Cassens. Seit 2012 bietet sie diese Notfalllösung an. Die, denen sie hilft, geben einen Obolus für den Tierschutz.

Cassens Engagement für Tiere in Not begann 1998 – bei einem Urlaub in Andalusien. Dort kamen sie und ihr Mann ins Gespräch mit einigen Engländern, Holländern und Belgiern, die Hunde von der Straße holten und von ihren Plänen berichteten: „Die wollten eine internationale Tierschutzorganisation gründen. Da war ich genau richtig“, erzählt Cassens.

Viel Arbeit, aber auch viel Erfolg

Aus den allerkleinsten Anfängen damals ist der Verein „Paw Paters“ entstanden, der mittlerweile 800 bis 1000 Hunde im Jahr vermittelt. Die Hauptzentrale ist in Spanien. „Außerdem gibt es zwei Anlaufstellen in Holland – in Zwolle und Arnheim – und mehrere in England. Und mich – hier in Collinghorst“, sagt die 73-Jährige.

„Es kamen schöne Jahre. Mit viel Arbeit, aber auch viel Erfolg.“ Cassens schaut auf ihre Kaffeetasse und sinniert einen Moment. „Mein Mann hat bei all dem geholfen. Wir haben zusammen viel erreicht. Wir haben mehrere Monate im Jahr in Spanien gelebt und auf der Rücktour Hunde, die vermittelt werden konnten, im Anhänger mitgenommen. Das Leben hat uns sehr gefallen.“ Bis sich 2011 alles änderte. „Es kamen schwere Jahre“, fasst Cassens die Zeit bis zu ihrer Scheidung 2014 zusammen. Die Erinnerung tut ihr weh, sie will nicht mehr darüber sprechen – übers Verraten- und Verlorensein. Vorbei ist vorbei. „Ich habe das hinter mir gelassen.“

Ein strammes Pensum für eine 73-Jährige

Stark gemacht hat sie in dieser Zeit ihr Einsatz für die Tiere. „Da habe ich mich hier vor Ort richtig reingekniet und mein Engagement noch mal verstärkt.“ Seit sechs Jahren hat Cassens ein kleines Team. Wichtige Stütze und Freundin: Chris Schlonsak, die zusammen mit Cassens den Tierschutz in Rhauderfehn und Umzu aufgebaut hat. 2009 gründete Cassens zusammen mit einer Bekannten den Lebenshof in Ovelgönne, seit 2017 ist dieser Gnadenhof als Verein eingetragen. In Rhauderfehn liest sie verwilderte Katzen zur Kastration auf, vermittelt Notfall-Tiere, sammelt Spenden, hilft in Tierschutzfällen. Und nun noch das neue Projekt: die Tier-Tafel, die aufgebaut werden soll (siehe Infokasten).

Alles in allem ein strammes Pensum für eine 73-Jährige, das weiß Cassens auch selbst, aber: „Bis jetzt klappt alles noch ganz gut. Das kann natürlich von heute auf morgen vorbei sein, klar. Aber das kann es bei einem jungen Menschen ja auch.“ Ihre beiden Kinder finden gut, was Mama macht und unterstützen sie auch gerne. „Meine Tochter hilft sogar selber in Hamburg bei der Stiftung 4 Pfoten. Die beiden sagen höchstens mal, dass ich ein bisschen kürzer treten soll. Aber das ist wirklich schwierig. Tierschutz ist nicht, dass man einfach mal liegen lässt da spricht das Gewissen.“

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