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Ostrhauderfehn/Rhauderfehn

Homosexuellen-Gruppe sitzt auf der Straße

Von Günter Radtke
2. November 2009

Ein Idafehner Gastwirt wirft den Ostrhauderfehner Schwulen- und Lesbenverein "Rainbow-Point" nach einem Bericht im General-Anzeiger hinaus. Zuvor hatte die Gemeinde Ostrhauderfehn dem Verein die Nutzung kommunaler Räume nicht gestattet. Im Rhauderfehner Rathaus sieht man die Angelegenheit deutlich toleranter.

Ostrhauderfehn/Rhauderfehn - Die Nachricht, dass die Gemeinde Ostrhauderfehn dem ortsansässigen Schwulen- und Lesbenverein "Rainbow-Point" die Nutzung kommunaler Räumlichkeiten versagt (der GA berichtete), hat in den vergangenen Tagen Befürworter und Gegner des Verwaltungsausschuss-Beschlusses auf den Plan gerufen. Am heftigsten reagierte der Idafehner Campingplatz-Wirt Herbert Lappe. Er setzte den Verein, der bisher in seinem Lokal in Idafehn tagte, jetzt vor die Tür. Am tolerantesten zeigte sich die Gemeinde Rhauderfehn. Sie würde dem Schwulen- und Lesbenverein, wenn er denn seinen Sitz im Fehntjer Gemeindegebiet hätte, selbstverständlich wie jedem anderen örtlichen Verein Räumlichkeiten für seine Tagungen zur Verfügung stellen.

"Rainbow-Point-Vorsitzender" Folkmar Körte hatte am Freitag gegenüber dem GA geäußert, die Vereinsmitglieder säßen bei ihren Gesprächsrunden in Plastikhütten vor dem Idafehner Campingplatz. Gemeint hatte er damit die in einem Container untergebrachte Kneipe "Zum Nemo" des Campingplatz-Betreibers Lappe. Der fühlte sich dadurch brüskiert.

"Der Artikel des Schwulen- und Lesben-Clubs ist diskriminierend und geschäftsschädigend", schreibt er der GA-Redaktion. Entgegenkommend sei der Verein in der großzügig ausgestatteten Gaststätte gegen alle Widersprüche aufgenommen worden. Diese Gaststätte als "Hütten vor dem Campingplatz" zu bezeichnen, sei unverschämt und keinesfalls realistisch, heißt es weiter. "Die Tür bleibt für diesen schwul-lesbischen Treff ab sofort bei uns geschlossen, was sie sich selbst durch Ihre Äußerung zuzuschreiben haben", teilt Lappe mit.

Folkmar Körte hat sich sofort bei Herbert Lappe für seine, wie er sagt, "überspitzte und unglückliche" Formulierung entschuldigt. Doch der Rausschmiss gilt.

Körte sagt, er habe eigentlich zum Ausdruck bringen wollen, dass es eigentlich unzumutbar gewesen sei, dass die Vereinsmitglieder öffentlich im Gastraum der Kneipe getagt und sich so beispielsweise Vorträge zum Thema Aids angehört hätten.

"Wir sind ja eine Selbsthilfegruppe. Da muss auch eine gewisse Diskretion möglich sein. Zum Beispiel für Menschen, die Probleme haben, sich mit ihrer Homosexualität zu outen", erklärt Folkmar Körte. Im ehemaligen Treffpunkt in Idafehn-Süd hätten Besucher der "Rainbow-Point"-Treffen sogar einen Hintereingang zum Clubraum nutzen können, um ihre Anonymität zu wahren.

Und genau deshalb habe der Verein bei der Gemeinde Ostrhauderfehn beantragt, eine kommunale Räumlichkeit für seine 14-tägigen Treffen nutzen zu dürfen, was aber wegen einer fehlenden Gemeinnützigkeit von "Rainbow-Point" abgelehnt worden sei.

Im Schreiben der Gemeinde heißt es dazu wörtlich: "Gemeinnützigkeit ist hier nicht im Sinne des Steuerrechts, sondern vielmehr im Sinne einer Förderung der Gemeinde Ostrhauderfehn im kulturellen und sozialen Sinne zu verstehen."

Und weiter heißt es in der Ablehnung: "Die Bereitstellung von Vereinsräumen für alle Vereine im Ort ist nicht und kann auch nicht die Aufgabe einer Gemeinde sein."

In Rhauderfehn ticken die Uhren in solchen Fragen offenbar anders. "Natürlich kann der Verein bei uns einen Antrag auf Nutzung kommunaler Räume stellen. Er müsste lediglich seinen Vereinssitz in unserem Gemeindegebiet haben. Wir prüfen dann, wo wir Räumlichkeiten frei haben. Das täten wir für alle eingetragenen Vereine. Ganz gleich, ob die Mitglieder schwul sind oder nicht", lässt Bürgermeister Heinz Freese auf Anfrage über seinen Pressesprecher Helwig Weber mitteilen.

"Rainbow-Point" müsse lediglich im Vereinsregister beim Amtsgericht seinen Vereinssitz auf Rhauderfehn umschreiben lassen.

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Leser-Kommentare:
equalizer schreibt am 07.11.2009:
Homosexualität ist keine Krankheit. Vielleicht, lieber Willy von der Ems, sollten auch Sie realisieren, daß es auch schwule Tiere gibt, denen man noch so attraktive Weibchen/ Männchen in den Käfig setzen kann, und die dennoch bei ihrem Homo-Partner bleiben. Mich würde interessieren, ob diese Menschen auch aus der Kirche austreten, wenn dort ein Fall von Homosexualität bekannt wird. Homosexualität ist weder eine Krankheit noch anerzogen. Vielleicht sollten Menschen, die diese Meinung über Homosexuelle haben, sich einmal mit diesen Menschen unterhalten. Und wer weiß, wie viele der Homogegner gar nicht wissen, daß der Freund, Kollege, Nachbar oder Kumpel aus dem Sportverein, Fitnesscenter oder wo auch immer, schwul ist, und es nur nicht sagt, um nicht diskriminiert zu werden. Ein schwuler Kollege erklärte mir einmal, daß, sollten alle Schwulen aus der katholischen Kirche austreten, man ein sehr großes personelles wie auch finanzielles Problem bekäme.
Tante Tilly schreibt am 06.11.2009:
Lieber Willi von der Ems,
die Weltgesundheitsorganisation WHO hat schon vor langer Zeit (ich meine in den Neunzigern) Homosexualität von der Liste der Krankheiten gestrichen. Ist wohl nichts mit "anerkannte Krankheit"! Und übrigens, wenn du meine Fähigkeit, einen anderen Menschen zu lieben als Krankheit bezeichnest, dann sagst du mehr über dich selbst aus, als dir recht sein sollte, von demokratischer Gesinnung und Toleranz oder gar Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen und -modelle ganz zu schweigen. Vielleicht suchst du dir ja mal einen \'Terapeuten\', um deine "Unzulänglichkeiten" behandeln zu lassen.
Willi von der Ems schreibt am 04.11.2009:
Homosexualität ist auch im medizinischen Sinn eine anerkannte Krankheit. Andere Menschen mit anderen Problemen oder Erkrankungen gründen u.a. Selbsthilfegruppen, drängen sich aber nicht dermaßen in den Vordergrund.
heinz-hermann suren schreibt am 03.11.2009:
Buffy hast du nicht mal den Mut offen mit deinem Namen auf zu treten?ALSO Wenn du meinst,noch einmal deine Meinung sagen zu müssen bitte mit waren Namen sonst kann ich dich nicht mehr für voll nehmen.Ich glaube vor 3 Jahren hast du mich in Sachen Hähnchenmaststall auch schon als Buffy angegriffen.
Stefan Daenekas schreibt am 03.11.2009:
Liebe/r Buffy! Sollte man dann, nach Ihrer Ansicht, auch den Menschen die Rente/Pension streichen, wenn sie nicht in der Lage waren Kinder zu zeugen?
Die Rentenversicherung wird doch heute auch schon zu einem großen Teil staatlich bezuschusst.
Einfach mal schlau machen.
Ist gar nicht so schwer!
Harald Kleem schreibt am 03.11.2009:
Das wird ja immer doller: Der Verwaltungsausscvhuss entscheidet über den sozialen Wert von Randgruppen und spricht dem Verein "Rainbow" Gemeinnützigkeit ab. Der alte § 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, ist 1994 in Deutschland vollständig abgeschafft. Der Geist derer, die genetische Defekte bei Homosexuellen wittern, müffelt noch immer in den Fluren und manchem Rathaus.

Der Schritt zur Aberkennung der Menschenrechte ist klein, das haben die Nazis gezeigt. Heute die Schwulen und Lesben, morgen andere politische Anschauung, andere Religion oder Hautfarbe.

Irre ist, dass der Verwaltungsausschuss offensichtlich sich umgeben glaubt von Bürgern, die ähnlich denken oder Angst haben sich zum Thema zu äußern. Haben die gar keinen Kontakt außerhalb der bierseeligen Zeltfeste? Politische Bildung = NULL: Zurücktreten oder bereuen, aber sofort.

Das bundesdeutsche Antidiskriminierungsgesetz verbietet jede Art der Ungleichbehandlung seit 12.2.2009. Damit wäre zumindest die Untersuchung ein Fall für die Justiz.
Fehntjer schreibt am 03.11.2009:
Moin @Buffy, was ist denn mit ihnen los? Zu dicht an der Steckdose geschlafen? Außerdem brauchen sie hier niemanden mit Gott ansprechen.
G. Stechmesser schreibt am 03.11.2009:
Wenn man der abstrusen Logik von Buffy folgt, dann tragen auch die zahllosen Paare mit unerfüllt gebliebenem Kinderwunsch nichts zum Generationenvertrag bei. Dass diese Menschen während ihres Erwerbslebens durch eine deutlich höhere Steuerlast diesen Beitrag als Vorleistung erbringen, ist ihm/ihr wohl entgangen.

In welchem Paralleluniversum lebt Buffy eigentlich?

Nebenbei: Wenn man ernstgenommen werden möchte, muss man sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken.



Buffy schreibt am 03.11.2009:
Mein Gott, muss man das nochmal wiederholen. Schwule und Lesben sind nicht gemeinnützig. Sie tragen nicht zum Generationenvertrag bei. Sie bekommen keine Kinder und sichern nicht die Rente der Älteren. Sollen sie dafür noch mit einem Versammlungsraum belohnt werden?
G. Stechmesser schreibt am 03.11.2009:
Das Finanzamt entscheidet auf der Grundlage der Abgabenordnung (AO), ob ein Verein als gemeinnützig anerkannt wird: Ein Verein muß in gemeinnütziger Weise die Allgemeinheit auf materiellem, geistigen oder sittlichen Gebiet selbstlos fördern (§ 52 AO).
In Ostrhauderfehn ist das für manche Vereine nicht ausreichend. Hier entscheidet jetzt die Gemeinde, ob ein Verein so gemeinnützig ist, dass er für die Nutzung gemeindeeigener Räume in Betracht kommt.
Gutsherren-Art passt zum Essen, aber nicht ins Rathaus!



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