Region

Leer
15.09.2010

". . . dann fliegt uns die Welt um die Ohren"

"Scheinchen in den Schweinchen": Der Leeraner Bürgermeister Wolfgang Kellner (von links) widmete die eigentlich für den Ratssaal gedachten Spenden dem Kampf gegen die drohende Überbevölkerung. Referent Paul Werner von der Schulenburg freute sich ebenso wie der Leeraner Rotary-Präsident Warner Popkes.
"Scheinchen in den Schweinchen": Der Leeraner Bürgermeister Wolfgang Kellner (von links) widmete die eigentlich für den Ratssaal gedachten Spenden dem Kampf gegen die drohende Überbevölkerung. Referent Paul Werner von der Schulenburg freute sich ebenso wie der Leeraner Rotary-Präsident Warner Popkes.

Von Uwe Heitmann

Rotary-Funktionär Paul Werner von der Schulenburg warnte in Leer vor Folgen einer "dramatischen Bevölkerungsentwicklung". Er warb im Rathaus-Festsaal für Projekte zur freiwilligen Geburtenkontrolle.
Leer - Bevölkerungsexplosion? Das Thema scheint abseitig in einem Land mit schrumpfender Einwohnerzahl. Wie sehr allerdings auch Deutschland vom globalen Geburtenzuwachs betroffen sein wird, das machte jetzt Paul Werner von der Schulenburg im Festsaal des Leeraner Rathauses deutlich. Der deutsche Vize-Chef der Rotary-Aktionsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt, wählte vor 200 Zuhörern aus ganz Ostfriesland drastische Worte: "Wenn wir heute nichts tun, dann fliegt spätestens unseren Enkeln diese Welt um die Ohren!"

Der 73-Jährige veranschaulichte das Problem des "dramatischen Bevölkerungswachstums" mit eindringlichen Zahlen. Allein von 1969 bis heute sei die Zahl der Erdenbürger von damals 3,7 auf jetzt 6,9 Milliarden gestiegen. Täglich kämen 200 000 Menschen hinzu - "die sechsfache Einwohnerzahl Leers". Und bereits bis 2016 werde die Weltbevölkerung um 450 Millionen Menschen gewachsen sein. Das entspreche der addierten Population der USA und Russlands. Dabei bleibe die Einwohnerzahl der Industriestaaten nahezu konstant. Die exorbitanten Zuwächse ergäben sich fast ausschließlich in den Entwicklungsländern; mit katastrophalen Folgen: Armut, Hunger, zunehmende Umweltzerstörung und Gewalt. Wenn nicht so schnell wie möglich gegengesteuert werde, würden die Industrieländer einen wahren "Einwanderungs-Tsunami" der Notleidenden erleben.

Unerwartete Geldspritze für mögliches Hilfsprojekt

Um die Situation vor Ort zu verbessern, unterstütze eine Rotary-Aktionsgruppe seit mehr als 20 Jahren Projekte zur Familienplanung. Die wichtigsten Ziele dabei seien freiwillige Geburtenkontrolle, Verbesserung der Müttergesundheit und Hilfe bei der Schul- und Berufsausbildung. Schaltstelle für den Wandel seien eindeutig die Frauen: "Das Ganze gelingt nur, wenn die Frauen in den Familien verstärkt das Sagen haben." Wichtig sei bei allen Projekten, dass sie freiwillig seien, dass die Helfer gerufen werden müssten und dass die kulturellen Werte der Bevölkerung respektiert würden. Erfolge zeigten sich rasch, so von der Schulenburg: "Mehr Bildung und eine bessere materielle Absicherung führen schnell zu sinkenden Geburtenraten."

Der engagierte Vortrag mündete in eine lebhafte Diskussion - und führte zu einer unerwarteten Geldspritze für ein mögliches ostfriesisches Hilfsprojekt. Zwei Sparschweine waren zu Beginn des Abends herumgereicht worden. Die darin gesammelten Spenden sollten eigentlich - so der Leeraner Rotary-Präsident Warner Popkes - der weiteren Verschönerung des Rathaus-Festsaals zugute kommen. Bürgermeister Wolfgang Kellner aber widmete das Geld spontan der Hilfe in den Entwicklungsländern. Der Kassensturz ergab: 1000 Euro.

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